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Regen
Bildquelle:Paco Silva/Pixabay

Regen

Gabriele Heppe-Knoche
Ein Beitrag von

Gabriele Heppe-Knoche,

Pfarrerin, Leitung Evangelisches Forum Kassel
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Ich wache auf. Noch im Halbschlaf höre ich ein gleichmäßiges Rauschen. Es regnet. Ein Sommerregen geht über meinen Garten nieder. Ich spüre förmlich wie jede Erdkrume, das Gras, die Pflanzen andächtig aufsaugen, was da von oben kommt. Jedes Mal, wenn ich im Garten arbeite, ist der Boden immer noch zu trocken.
Nun rauscht es vor meinem Fenster gleichmäßig, manchmal tropft es auf die Fensterbank. Ein schönes Geräusch. Es macht mich froh. Ein Tag Regen bedeutet auch, einige Tage keine Gießkannen schleppen. Mein Lieblingspsalm fällt mir ein.  Darin wird nämlich sogar vom Frühregen gesprochen. Da heißt es: „Wohl den Menschen, die dich für ihre Stärke halten. Wenn sie durchs dürre Tal ziehen, wird es ihnen zum Quellgrund und Frühregen hüllt es in Segen.“ Und genauso fühle ich mich an diesem Morgen. Eingehüllt in Segen, eingehüllt in das Rauschen des Regens, der der durstigen Natur gibt, was sie braucht.
Viel braucht es also gar nicht, um froh zu werden und sich gesegnet zu fühlen. Es muss nichts Außergewöhnliches sein. Es kann mitten im Alltag passieren. Es kommt darauf an, wie ich das verstehe, was ich erfahre und um mich herum erlebe. Wie ich es auf mich beziehe. Beim Regen fällt es mir als Gartenfreundin natürlich leicht. Ich sorge mich, wenn es zu lange trocken bleibt, wenn die Pflanzen ihre Blätter und Blüten hängen lassen. Und wenn es dann regnet, ist der Regen nicht nur für sie ein Segen, sondern auch für mich. Er nimmt mir diese Sorge und macht Hoffnung, jedes Mal: Es ist vielleicht doch noch nicht zu spät für unsere Erde, für die Meere und Wälder, den Feldhamster und die Ackerwinde.
So erlebe ich das nicht immer. Manchmal kommt der Segen auch sperriger daher und ist erst im Nachhinein erkennbar. Es gibt Situationen im Leben, da sind die Aufgaben schwierig. Ich muss um Lösungen ringen. Mich manchmal auch mit anderen streiten. Erst mit Abstand erkenne ich, dass auch darin Gutes für mich enthalten war, auch wenn es mir nicht leicht gefallen ist.
Aber ich bin sicher: Wo ich darauf vertraue, dass Gott mich und mein Leben segnet, verändert sich auch die Sicht auf mein Leben. Dann freue ich mich an den kleinen Dingen des Alltags. Dass ich morgens aufstehen kann, dass auf dem Handy der Gruß einer Freundin erscheint, dass es um mich herum grünt und blüht. - Dann empfinde ich den Segen, in den mein Leben eingehüllt ist. Segen von oben, Segen von Gott.

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