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Alexander Nawalnys wertvollstes Bibel-Wort
picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Denis Kaminev

Alexander Nawalnys wertvollstes Bibel-Wort

Charlotte von Winterfeld
Ein Beitrag von Charlotte von Winterfeld, Evangelische Pfarrerin, Frankfurt
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Es ist ruhig geworden um Alexander Nawalny, den charismatischen Kreml-Kritiker. Mit seinen gut inszenierten Enthüllungsberichten über Machtmissbrauch und Korruption hatte er sich aufgebäumt gegen das russische Regime. Im August 2020 wurde er auf einem Flug vergiftet und überlebte den Angriff mit dem Nervenkampfstoff Nowitschok nur knapp. Ein halbes Jahr später kehrt er freiwillig nach Russland zurück und wird dort sofort gefangen genommen.

Alexander Nawalny hält viele Reden vor Gericht

Ein Prozess nach dem anderen wird ihm seitdem gemacht. Seine Gerichtsreden wurden letztes Jahr in einem Buch veröffentlicht. Sie sind Zeugnisse von Mut und Tapferkeit, von Freiheitswillen und …. von christlichem Glauben.

Vom Atheist zum Christ

In einer seiner Reden erzählt Nawalny, wie er früher Atheist war und dann zum Glauben gekommen ist, und wie ihm das hilft. Er sagt: "Es macht alles viel, viel einfacher. Ich grüble weniger, ich habe weniger Dilemmas in meinem Leben – denn es gibt da so ein Buch, das mehr oder weniger genau beschreibt, was man in welcher Situation zu tun hat." Später zitiert Nawalny aus der Bibel: Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit, denn sie sollen satt werden.

Ein Satz aus der Bibel gibt Navalny Kraft

Er versteht diesen Satz als Handlungsanweisung. Manche denken, so sagt er, dieser Satz sei zu pathetisch und zu verrückt und abgedreht. Aber Nawalny zieht Kraft daraus. Gegen die Vereinsamung, die der Machtapparat bei ihm erreichen will. Die Wächter im Gefängnis dürfen nicht mit ihm reden, er darf nur selten Besuch bekommen. Nawalny sagt: "Das wirkt bei mir nicht…Kraft liegt in der Gerechtigkeit."

Nach Gerechtigkeit suchen in einem ungerechten Staat

Und so fühlt er sich all denen verbunden, die auch nach Gerechtigkeit suchen wie er. In einem ungerechten Staat. Gegen einen ungerechten Staat. Gegen die Lügen dieses Staates. „Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit, denn sie sollen satt werden.“ Das ist nach Nawalny aktuell die bedeutendste politische Idee in Russland. Für die lohnt es, sich einzusetzen. Dann zitiert er Rick Sanchez, eine Comicfigur von Rick und Morty: "Leben heißt riskieren. Wenn du nichts riskierst, bist du nur ein müder Haufen zufällig zusammengewürfelter Moleküle."[1]

Nawalny zeigt mir auf extreme Art, was es heißt, innerlich frei zu sein, auch in Gefangenschaft. Eine große Freiheit dadurch zu haben, dass er weiß: "Ich habe bei Gott meinen Platz sicher."

Innerlich frei sein durch den Glauben

Im März wurde Nawalny zu weiteren 9 Jahren Haft verurteilt. Aus der Haft heraus hatte Nawalny vorher die Menschen aufgerufen, gegen den russischen Einmarsch in der Ukraine zu protestieren. Nach seiner Verurteilung sagte Nawalny: "Viel besser ist es, ein freier Mann Gottes zu sein, als ein Putin-Kriecher, den die Teufel in der Hölle braten werden."

Seine Haftbedingungen in der Strafkolonie in Prokow sind verschärft worden: Isolationshaft, weniger Post, weniger Besuche. Er darf seine Familie nur noch 6 Mal im Jahr sehen. Es ist ruhig geworden um Nawalny. Zu ruhig. Ich will diesen mutigen, tapferen Mann nicht vergessen. Und für ihn beten.

Foto: Der Führer der russischen Oppostion Alexander Nawalny im Gefängnis in Petushki, ca. 120 Kilometer östlich von Moskau. Aufgenommen am 17. Januar 2022. AP Photo/Denis Kaminev


[1] Zitat aus einer Rede von Nawalny aus der Zeit Ausgabe 30/2021: www.zeit.de/2021/30/russland-alexej-nawalny-opposition-straflager-demokratie/komplettansicht

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