hr4 ÜBRIGENS
hr4
Becker, Michael

Eine Sendung von

Evangelischer Pfarrer, Kassel

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Eine Hand schneidet eine Pizza auf einem Tisch. Die Pizza ist belegt mit Salamischeiben, Oliven und Käse. Die Präsentation zeigt den abgerundeten Rand und die verschiedenen Zutaten, während eine Gabel und ein Messer benutzt werden, um ein Stück zu teilen.

Vielleicht ein bisschen selig

Gesprochen von Claudia Rudolff

Es hätte peinlich werden können; wurde aber ein Glück. Es ist Sonntag. Der Sohn besucht Papa im Heim. Mittags gehen sie zusammen essen. Sie sitzen im Lokal. Vor ihnen steht eine Pizza. Aber der Papa weiß auf einmal nicht mehr, warum silberne Stäbe neben dem Teller liegen.

Wenn das Besteck Rätsel aufgibt – was tun?

Demenz. Er hat vergessen, was das ist: Messer, Gabel, ein Löffel für den Nachtisch. Der Sohn sieht, wie der Papa lange schaut und vielleicht überlegt. Jetzt könnte es peinlich werden.

Ein kreativer Moment statt Peinlichkeit

Wird es nicht. Der Sohn hat einen Einfall fürs gemeinsame Glück. „Weißt Du noch“, sagt er zum Papa, „wie uns Mama früher am Tisch immer gezeigt hat, was man mit Messer und Gabel macht?“

Humor als Brücke zur Erinnerung

Jetzt nimmt der Sohn eine Gabel in die Hand und wedelt ein bisschen damit herum. Der Papa lacht und sagt: „Na klar weiß ich das.“ Und weiß in diesem Moment wieder, was das ist: Messer und Gabel.

Glücksmomente trotz Demenz – geht das?

Er nimmt sie zur Hand und schneidet sich ein Stück Pizza ab. Es schmeckt. Papa ist glücklich. Und nichts ist peinlich. Wir dürfen einander auch wie Kinder sein. Belustigen, ohne zu belehren.

Warum ein Scherz manchmal heilig ist

Demenz ist nicht lustig, ich weiß. Aber ein Scherz kann mal helfen. Ich bewundere Menschen, die aus einer Peinlichkeit Glück machen. Sie wissen, wie bedürftig man manchmal ist. Und erfinden dann den schönsten Gottesdienst, nämlich: andere fröhlich zu machen. Vielleicht ein bisschen selig.