hr4 ÜBRIGENS
hr4
Leitschuh, Marcus C.

Eine Sendung von

Katholischer Religionslehrer und Autor, Kassel

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Person im Gedankenfluss.

Vom Loslassen, Handeln und Glücklichsein

„Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist.“ Ein berühmter Satz aus der Operette „Die Fledermaus“ von Johann Strauss. Heute Abend sehe ich sie im Staatstheater Kassel. Schwungvolle Musik. Verwechslungen. Ein rauschendes Fest. Und am Ende dieser Satz. Er klingt leicht. Fast beschwingt. Aber er hat Tiefe.

Loslassen, was wir nicht kontrollieren können

In diesem Satz steckt viel Wahrheit. Ich kenne das in meinem Leben sehr gut, dass ich mich über Dinge aufrege, verzweifelt und ärgerlich bin. Wie oft rege ich mich auf: über Nachrichten, über Politik, über Ungerechtigkeit. Ich sitze vor dem Bildschirm und möchte hineinspringen. Mitreden. Eingreifen. Alles ändern. Frieden. Hunger. Krisen. So vieles löst bei mir den Wunsch aus, etwas zu ändern.

So vieles schreit nach Lösung. Und dann die ernüchternde Erkenntnis: Es liegt nicht in meiner Hand. Dann muss ich feststellen, dass es von mir nicht zu ändern ist. Es kann gut sein, sich dann an die „Fledermaus“ zu erinnern.

Nicht vergessen, was wir ändern können

Vergessen heißt nicht: egal. Vergessen heißt manchmal: loslassen. Frieden finden mit dem, was ich nicht steuern kann. Sonst überfordere ich mich. Aber das Lied hat für mich noch eine zweite Seite: „Glücklich ist auch, wer nicht vergisst, was sehr wohl zu ändern ist.“ Nicht alles. Aber manches.

Glücklich können wir werden, wenn wir das nicht vergessen, was wir wirklich ändern können. Das sind dann vielleicht nicht die Themen, die wir im Radio aus der großen weiten Welt hören. Es sind die Dinge unserer Heimatorte.

Glück liegt zwischen Loslassen und Handeln

Nächste Woche sind Kommunalwahlen in Hessen, diesen Sonntag schon in unserem Nachbarland Bayern. Tausende engagieren sich ehrenamtlich. In Städten und Gemeinden. Für Spielplätze. Schulen. Verkehr. Kultur. Das ist gelebte Veränderung. Vor Ort. Gelebtes Nicht-Vergessen, was zu ändern ist. Das braucht unsere Demokratie. Menschen, die nicht vergessen, wo etwas geändert werden kann und es dann auch tun. 

Vielleicht liegt das Glück genau dazwischen: Loslassen, was ich nicht ändern kann. Und anpacken, was ich ändern kann.