hr4 ÜBRIGENS
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Vogler, Marcus

Eine Sendung von

Leitender katholischer Pfarrer der Pfarrei St. Bonifatius Amöneburger Land, Amöneburg

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Viele Scherben auf einem Platz.

Die Scherben des Alltags

Gerade möchte ich noch schnell das Glas in die Spülmaschine räumen - und „zack“ fällt es mir aus der Hand. Überall Scherben und ich stehe da und seufze: „Das hat mir jetzt gerade noch gefehlt.Und während ich fege und aufpasse, dass ich mich nicht schneide, kommt mir der Gedanke: „Warum passiert mir sowas immer dann, wenn ich sowieso schon gestresst bin und ich es eilig habe?“ 

Bringen Scherben Glück?

Solche kleinen Missgeschicke sind oft gar nicht das Problem. Aber sie erinnern mich an etwas Größeres: Mein Leben hat Bruchstellen. Scherben. Momente, in denen etwas kaputtgeht: en Streit, eine verletzende Bemerkung, ein geplatzter Plan, ein enttäuschtes Vertrauen. Viele Menschen versuchen, ihre inneren Scherben zu verstecken. „Ist nicht so schlimm“, sagen sie dann. Oder: „Das krieg ich schon wieder hin.“ Doch innerlich blutet man weiter. 

Scherben im Alltag und im Leben

Denn was zerbrochen ist, lässt sich nicht einfach wegwischen wie Glassplitter auf dem Boden. Genau an dieser Stelle wird mein christlicher Glaube für mich unglaublich konkret. In der Bibel gibt es keinen Gott, der nur auf das Perfekte schaut. 

Gott kennt unsere Bruchstellen

Jesus kommt immer wieder zu Menschen, deren Leben nicht heil ist: zerbrochene Beziehungen, zerbrochene Herzen, zerbrochene Träume. Und er sagt ihnen nicht: „Werde erst wieder heil, dann komm.“ Sondern: „Ich bin gekommen, um die Zerbrochenen zu heilen.“ (Lk 19,10) Was für ein wunderbarer Satz. Welch eine tröstende Zusage. Das bedeutet: Gott hat keine Angst vor meinen Scherben. 

Heilung beginnt, wenn wir loslassen

Er hält mich nicht für weniger wert, weil etwas kaputtgegangen ist. Er sieht, wo es weh tut – und er fängt genau dort an, mich zu berühren. Mir hilft es, Gott meine Scherben zu übergeben und ihm leise zu sagen: „Mach du etwas daraus.“ In solchen Momenten spüre ich, wie langsam Heilung beginnt, weil ich die Scherben meines Lebens nicht länger verstecke.