Vergessene Worte
Es gibt Worte, die verschwinden langsam aus unserem Alltag. Kinder können mit manchen gar nichts mehr anfangen. Eine Stopfnadel zum Beispiel. Früher gehörte sie in jeden Haushalt. Ein Loch in der Socke oder ein Riss im Pullover? Das wurde sorgfältig gestopft. Heute wandert vieles einfach in den Müll und wird durch Neues ersetzt. Eine Stopfnadel? Braucht man dann nicht mehr. Und das Wort auch nicht.
Was bedeutet „barmherzig"? Ein altes Wort neu verstehen
Auch andere alte Worte geraten in Vergessenheit. „Barmherzigkeit“ zum Beispiel. Kinder kennen vielleicht noch das Wort „gutherzig“.
Aber was bedeutet „Barmherzig“? Darin steckt das Wort „arm“, also im Sinne von bedürftig, elend. Und natürlich das Herz. Zusammen heißt es: sich von der Not eines anderen berühren lassen. Nicht wegschauen. Mitfühlen. Helfen, wo Hilfe gebraucht wird.
„Selig sind die Barmherzigen"
Die Bibel kennt dieses alte Wort sehr gut. Jesus findet gut, wenn Menschen so miteinander umgehen, wenn sie Mitleid haben und anderen helfen. Er sagt: „Selig sind die Barmherzigen.“ (Matthäus 5,7)
Barmherzigkeit im Alltag: Ein freundliches Wort, eine zweite Chance
Ich finde, das ist eine Einladung an uns. Manchmal braucht es dafür gar nichts Großes: Ein freundliches Wort. Sich Zeit nehmen für einen, der oft einsam ist. Jemandem mit Achtung in die Augen schauen, bei dem ich eigentlich lieber schnell weggucken würde. Oder den Mut, noch eine zweite Chance zu geben.
Barmherzigkeit verbindet, was zerbrochen ist
Die Stopfnadel flickt, was eingerissen ist. Barmherzigkeit verbindet, was zerbrochen ist. Sie heilt, was verletzt wurde und kann Menschen neues Zutrauen schenken.
Ich denke, es lohnt sich nicht nur, alte Kleidungsstücke öfter zu reparieren, sondern auch alte Worte wieder hervorzuholen. Denn manche von ihnen tragen einen kostbaren Schatz in sich. Es lohnt sich, sie zu bewahren – nicht nur in unseren Wörterbüchern, sondern vor allem in unserem Herzen und in unserem Handeln.