Unser täglich Schokoladenbrötchen gib uns heute!
Neulich war ich an einem außergewöhnlichen Ort. Mit einer Gruppe Jugendlicher bin ich nach Frankreich gereist in die Brüdergemeinschaft von Taizé. Dort treffen sich tausende junge Menschen aus aller Welt. Eine Woche lang leben sie mit den Brüdern in einer klösterlichen Gemeinschaft.
Ein außergewöhnlicher Ort: Was erlebt man in Taizé?
Sie beten mit ihnen, singen und helfen mit. Das Leben in Taizé ist einfach: Geschlafen wird in Baracken oder Zelten. Auch das Essen ist schlicht, besonders das Frühstück: Für jeden gibt’s ein Brötchen mit einem Stück Butter und drei Schokoladenstäbchen. Dazu einen Becher Zitronentee oder Kakao.
Ein ganz neuer Frühstücksritus
Das war erstmal eine Umstellung - für mich und für die Jugendlichen: Wir haben beim Essen auf Bänken gesessen, die drei Frühstückszutaten auf dem Schoß. Kein Tisch, kein Teller, kein Besteck. Mit den Fingern wird das Brötchen zerteilt, die Butter so gut es gelingt mit dem Butterpapier draufgeschmiert, dann die Schokoladenstäbchen reingesteckt und fertig. Ganz einfach. Das isst dort jeder. Jeden Morgen. Mehr nicht. In dieser besonderen Zeit war es genug.
Was wir von dieser Einfachheit lernen können
Mehr noch: Nach kurzer Zeit war das Schokoladenbrötchen für uns ein besonderes Ritual. Eine Übung in Einfachheit. Für viele das Lieblingsessen am Tag und ein Grund wiederzukommen. Ich hab gemerkt: Ich komme auch mit wenig aus. Das einfache Leben in Taizé unterbricht mein Grübeln über alles, was ich brauche oder haben will. Ich muss nichts entscheiden, nichts verändern und verbessern. So entsteht Raum für das, was wichtiger ist: Die Gemeinschaft mit den Menschen und mit Gott.
Was bleibt, wenn der Alltag zurückkehrt?
Zuhause habe ich mich trotzdem wieder über die Abwechslung in meiner Küche gefreut. Aber die besondere Erfahrung vom einfachen Leben hat etwas verändert: Ich schaue weniger auf meinen Teller und was ich habe. Viel mehr schaue ich auf die Menschen, mit denen ich mein Essen und meine Zeit teile.