Sich ein Herz nehmen
„Schalalalalala“ – das klingt durch die ganze Straße. Irgendjemand grölt sehr laut. Als ich näherkomme, sehe ich einen Mann im Grünstreifen neben der Straße liegen. Er hat sich bequem ausgestreckt und singt vor sich hin.
Ein betrunkener Mann auf der Straße: Wie reagieren in einer solchen Situation?
Es ist schon spät und es soll sehr kalt werden. Mir macht das Sorgen. Aber den Mann anzusprechen, der offensichtlich betrunken ist, traue ich mich nicht. Also rufe ich die Polizei an. Ich schildere die Situation und die Frau am Notruf fragt genau nach. Als sie den Ort auf ihrer Karte gefunden hat, sagt sie: „Das wurde bereits gemeldet. Hilfe ist unterwegs“ Und tatsächlich: direkt danach biegt ein Rettungswagen um die Ecke. Beruhigt gehe ich weiter. Es hat sich also jemand ein Herz gefasst und für den Betrunkenen wird gesorgt.
Hilfsbereitschaft im Alltag: Warum kleine Gesten Großes bewirken
Einige Tage später im Zug beobachte ich, wie eine Frau jemanden tatkräftig unterstützt. Sie sitzt mir im Vierersitz gegenüber und guckt plötzlich konzentriert in den Gang. Dann steht sie auf und geht ein paar Schritte. Direkt neben mir höre ich: „Soll ich ihr Gepäck nehmen? Wo müssen Sie denn hin?“ Und dann schiebt diese Frau einen großen Koffer in Richtung des nächsten Wagens; hinter ihr läuft eine alte Dame, die sich auf eine Krücke stützt. Krücke, Koffer, ICE-Gang – das ist ohne Hilfe wirklich zu viel.
Nach einer ganzen Weile kommt die Helferin aus meinem Vierer zurück. Sie erzählt: „Die alte Dame musste fast durch den ganzen Zug zu ihrem Platz. Sie war sehr dankbar war für meine Hilfe.“ So einfach ist es manchmal, denke ich.
Helfen ist oft leichter ist als gedacht: Früher hieß das barmherzig sein
Ein altes Wort für solche Unterstützung ist Barmherzigkeit. Wer sich vom Schicksal anderer anrühren lässt und hilft, zeigt sich barmherzig. In fast allen Religionen wird Barmherzigkeit als eine besondere Tugend betrachtet. Wer sich anderer erbarmt, für den hat Gott auch ein Herz.