hr1 ZUSPRUCH
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Porträt einer lächelnden Frau mit grauem, kurzem Haar und einer modischen Brille. Sie trägt ein dunkles Oberteil und eine Perlenkette. Der Hintergrund ist weich und neutral gehalten.

Eine Sendung von
Almut Siodlaczek,
Sozialarbeiterin und Diakonin Ev.-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten), Ober-Ramstadt

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Eine Hand gibt eine Münze in die offene Hand einer anderen Person. Die Hände sind in Nahaufnahme zu sehen, mit Fokus auf den Moment der Übergabe der Münze.

Der Euro am Bahnhof

Durcheinander am Umsteigebahnhof. Menschen laufen eilig hin und her, ziehen Rollkoffer zum Bahnsteig. Dazwischen suche ich nach der Anzeigetafel und der Uhr. Wieviel Zeit habe ich zum Umsteigen? Reicht es noch für einen Snack vom Bäcker?

Wenn plötzlich jemand um Geld bittet

Ein junger Mann kommt auf mich zu: „Ham’ Se mal nen Euro?“ Ich bin genervt und mache ein möglichst abweisendes Gesicht. Sage: „Nein!“ Und denke: „Nicht schon wieder!“ So oft ist mir das am Bahnhof schon passiert.

Mitgefühl oder Abwehr im Alltag?

Gleichzeitig tun mir die Menschen leid. Was ist in ihrem Leben passiert? Warum müssen sie betteln?
Später frage ich mich doch: Hätte ich was geben sollen? Kann ich etwas anderes Sinnvolles tun? Und: Wie finde ich einen guten Umgang mit solchen Situationen?

Ein festes Budget für spontane Hilfe

Ein Bekannter aus Berlin hat für sich entschieden: Er nimmt immer einen bestimmten Betrag lose in Münzen mit. Wenn dieses Budget verteilt ist, hat er genug gegeben.

Spenden statt Direktgabe: Welche Alternativen gibt es?

Meine Freundin sagt: „Ich möchte kein Bargeld geben. Aber an meinen Wohnorten habe ich immer helfende Organisationen gefunden: Diakonie, Caritas, die Tafel. Denen spende ich regelmäßig einen bestimmten Betrag.“

Was bedeutet Nächstenliebe konkret?

Ich finde: Das sind zwei gute Möglichkeiten. Und: Niemand muss anderen etwas schenken. Aber als Christin kenne ich auch die Worte von Jesus aus der Bergpredigt: „Gib dem, der dich bittet.“ (Matthäus 5, 42)
„Vielleicht trotzdem nicht direkt am Bahnhof", überlege ich. Aber meine finanzielle Unterstützung kann ja auch auf andere Weise ankommen.

Wie begegne ich Menschen in schwierigen Situationen?

Und ich nehme mir vor: Ich will respektvoll reagieren. Den Menschen sehen - nicht nur die lästige Störung. Beides stimmt: Betteln stört mich in meinem Ablauf und ein Geldbeutel in der Hand ist schnell gestohlen. Aber wer bettelt, ist ein Menschen mit einer Geschichte. Und: mit Würde. Die will ich achten - egal ob mit Nein oder mit Ja zum Euro am Bahnhof.