Nonna
Neulich in der Eisdiele um die Ecke hat mich das Tattoo einer jungen Frau fast zu Tränen gerührt. So längs in einer leicht verschnörkelten Schrift stand auf ihrem Unterarm „Nonna“. Das heißt Oma, auf Italienisch. Und ich musste an meine Oma denken, die schon so lange nicht mehr lebt.
Meine Oma ist gestorben; als ich 15 war. Und ich habe sehr geweint. Ich habe damals in mein Tagebuch geschrieben: Oma, ich werde dich nie vergessen. Und manchmal scheint es mir: Es war erst vor kurzem, dass sie mir Quark mit Erdbeeren zum Frühstück gemacht hat.
Warum Großeltern für viele Kinder etwas ganz Besonderes sind
Ich frage mich: Was ist der Unterschied der Liebe meiner Oma zur Liebe meiner Eltern? Wir wissen heute: Eltern und ihr Verhalten sind sehr wichtig für die seelische Gesundheit ihrer Kinder. Vielen Eltern macht das Druck: Ihre Beziehung zu ihren Kindern ist oft geprägt von der Angst, etwas falsch zu machen.
Omas und auch Opas fallen aus diesem System raus. Egal wie kompliziert das Verhältnis zu ihren eigenen Kindern ist, bei den Enkeln sind sie oft einfach entspannt. Sie sind nicht für alles verantwortlich. Sie müssen nicht erziehen. Dazu kommt: Sie können sich Zeit lassen. Zum Beispiel für die Fragen der Kinder. Sie müssen nicht alles richtig machen. Sie sind ja nur die Oma. Und deshalb kann man als Kind mit etwas Glück hier viel unbelasteter sein Herz ausschütten.
Die Liebe Gottes stelle ich mir so vor wie die Liebe meiner Oma
Ich denke mir, Gottes Liebe ist etwa so wie die meiner Oma. Gütig. Liebevoll und zärtlich. Wie Balsam für die Seele. Ich werde angenommen, ohne Druck. An all das musste ich denken, als ich die junge Frau mit dem Tattoo gesehen habe. Und eine große Traurigkeit und Dankbarkeit in Erinnerung an meine Oma ist in mir aufgestiegen. Für mich war sie ein großes Geschenk.