Martha, die Drachenbändigerin
Martha wohnt hier, las ich am Türschild unserer neuen Nachbarn. Eine ältere Frau ist eingezogen, habe ich mir vorgestellt. Da war ich aber auf dem falschen Dampfer. Ich habe einen Trend verpasst. Martha ist wieder ein recht beliebter Vorname. Unsere neue Nachbarin hat gerade Abitur gemacht, eine fitte junge Frau, die Ingenieurin werden will.
Warum erlebt der Name Martha ein Comeback?
Ihr Name bedeutet ursprünglich Herrin und ist aramäisch. Jesus war mit einer Martha und ihrer Schwester Maria befreundet. Tatsächlich war Martha die tonangebende in der Familie und kam nicht immer gut an. Zum Beispiel, als Jesus zu Besuch kommt, und sie in der Küche für ihn schafft und wirbelt (Lukas10, 38ff). Ihre Schwester Maria dagegen setzt sich hin und hört zu. Martha beschwert sich – und Jesus lobt die Maria. Das hat schon damals für Diskussionen gesorgt.
Wird Martha in der Bibel oft unterschätzt?
Martha ist denn auch die Schutzheilige der Haushälterinnen geworden. Ich würde heute sagen, die Schutzheilige des Servicepersonals in Haushalt und Küche – die Schutzheilige der klassischen Frauenberufe. Mir ist sie schon lange sympathisch. Es sind ja lebensnotwendige Aufgaben, die sie wahrnimmt, und das schlechte Image der Hausarbeit ist so ungerecht wie die Bezahlung.
Martha und der Drache
Richtig cool finde ich ein Bild auf einem Altar in Nürnberg. Da ist die Heilige dargestellt im Kampf mit einem Drachen. Anders als die Männer tötet sie aber den Drachen nicht. Sie hat ihm ein Halsband umgelegt und führt ihn an der Leine wie einen Hund. Martha, die den Drachen zähmt.
Was macht Martha zu einem Vorbild für heute?
Martha ist ein wunderbarer Name für junge Frauen, die sich durchsetzen müssen. Lass dich nicht unterkriegen, sagt der Name. Vertrau auf Gottes Kraft und auf deine eigene. Und lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem (Römer 12,21).