Lebkuchenherz
Sie sind kreativ, kontaktfreudig und trinkfest. Sie opfern eine ganze Woche von ihrem Jahresurlaub. Dann arbeiten sie viel und schlafen sehr wenig, schleppen Kisten und Bänke. Sie organisieren im größten Chaos und gehen voll ins finanzielle Risiko. Das alles tun sie für die Kirmes, für ihr Dorf oder ihren Stadtteil. Es ist ihnen eine Herzensangelegenheit, im Kirmesteam mitzumachen. Das muss Liebe sein, davon bin ich beeindruckt.
Alles Liebe – und dann ein Riss
Und will dem Kirmesteam im schönen Aue im Werra-Meißner-Kreis ein großes Lebkuchenherz mitbringen. Alles Liebe, soll in Zuckerguss draufstehen. Ein Rezept ist schnell gefunden. Das Herz kommt auch duftend aus dem Backofen. Aber als ich es vom Blech heben will, bricht es mir entzwei.
Muss ein Herz makellos sein, um Freude zu schenken?
Was mache ich jetzt nur? So ein Herz bricht ja schnell mal, sagt meine Freundin und Ratgeberin. Kleb es doch einfach mit Zuckerguss zusammen. Das sieht man doch, denke ich, dass das Herz einen Riss hat. Und dann… wäre das so schlimm?
Können gerade die Risse uns miteinander verbinden?
So ist es ja wirklich, Herzen brechen, auch da, wo Kirmes gefeiert wird. Da sind Menschen im Ort, die enttäuscht oder verlassen wurden, die sich fremd und einsam fühlen. Sie gehören dazu. Risse und Brüche können wieder heilen. Es gibt heilsame Kräfte: Ausgestreckte Hände und Vertrauen, die Kräfte, in denen Gott Menschen nahekommt.
Was zählt am Ende mehr: Perfektion oder ein weites Herz?
Auch bei einer Kirmes sind nicht Perfektion, sondern Segen – und weite Herzen gefragt. Am Ende kam mein Lebkuchenherz gut an, vielleicht gerade, weil es nicht perfekt war. Stand ja groß drauf: Alles Liebe!