Klare Linie
Ich erwische mich im Alltag immer wieder dabei, es möglichst allen rechtmachen zu wollen. Oder wenigstens den meisten. Und fast immer ist das ein unglaublicher Spagat. Ich versuche dann, mich nicht festzulegen, bleibe flexibel, halte mir ein Hintertürchen offen. Eigentlich weiß ich nach jahrelanger Erfahrung: Zu hundert Prozent klappt das nie!
Warum fällt es uns manchmal schwer, klar Stellung zu beziehen?
Und manchmal, wenn ich es mal wieder versuche, kommt mir ein Satz aus der Bibel in den Sinn, eine Aussage von Jesus: „Euer Ja sei ein Ja, euer Nein sei ein Nein!“ (Matthäus-Evangelium 5,37)
Da gibt es kein Lavieren und Ausweichen. Steh zu dem, an das du glaubst. Halte fest daran und wanke nicht. Jesus selbst hat das zu leben versucht. Er hat oft keine Kompromisse gemacht und ist in vielen Punkten konsequent geblieben. Das hat ihm natürlich nicht nur Freunde gemacht, im Gegenteil. Und am Ende hat diese klare Haltung ihn sogar das Leben gekostet.
Nein sagen gehört nicht zu meinen Stärken
Ich finde es bewundernswert, wenn jemand so zu seiner Meinung, zu seiner Überzeugung stehen kann. Mein Problem daran ist: Dafür muss ich meinen eigenen Standpunkt klar haben. Und ich muss auch Nein sagen können. Das gehört zugegebenermaßen nicht zu meinen Stärken. Wenn ich es dann doch schaffe, besteht die nächste Hürde darin, auch dabei zu bleiben und nicht doch noch einzuknicken.
So kann meine klare Haltung mich auch entlasten
Außerdem: Wenn ich zu meiner Überzeugung stehe, muss ich das Risiko eingehen, andere vor den Kopf zu stoßen. Das scheint mir auf den ersten Blick zwar ähnlich schwierig wie meine bisherige Taktik, kann aber auch etwas sehr Entlastendes haben. Stehe zu deiner Überzeugung und zieh es durch! Klare Linie gibt auch Verlässlichkeit.
Ich ahne: Das wird mir nicht immer, vielleicht auch nicht oft gelingen. Aber ich glaube, es lohnt den Versuch! Mein Ja sei ein Ja und mein Nein sei ein Nein!