Herr Löhr
Herr Löhr ist um die 70. Er ist Rentner und er hat Zeit. Wir haben uns noch nie getroffen. Bis zu diesem Dienstag im Mai, an dem ich mir mittags ein Stück Backenzahn abbreche. Schuld ist ein Stück Cantuccini. Jetzt ein Termin bei meinem Zahnarzt wäre super. Am Telefon macht mir die Sprechstundenhilfe wenig Hoffnung. Aber dann sagt sie: Na dann kommense mal.
Wenn der Zahnarzttermin überraschend klappt
Glücklich fahre ich los. Als ich in der Praxis ankomme, sagt die Sprechstundenhilfe, gehense gleich durch in die drei. Wunderbar! Im Vorbeigehen schaue ich ins Wartezimmer, ein älterer Mann sitzt dort. Ich sage nur schnell „Hallo“. seine Reaktion kriege ich schon nicht mehr mit. Ich will nur auf die Zahnarztliege. Die Behandlung bringt Erlösung und einen aufgebauten Zahn.
Keine Vorzugsbehandlung, sondern die Nettigkeit eines Rentners
Warum bin ich sofort drangekommen? „Ein Patient hat Sie vorgelassen.“, sagt die Sprechstundenhilfe. Ich bin beeindruckt. Ich hätte mit allem gerechnet, einer Vorzugsbehandlung, weil ich mit dem Zahnarzt befreundet bin. Aber nein.
„Sie meinen den älteren Herrn im Wartezimmer? Der hat mich vorgelassen?“ „Ja, genau der und sie sagt mir seinen Namen. Bevor ich gehe, schaue ich im Wartezimmer vorbei. „Sie sind Herr Löhr?“, frage ich. Der ältere Herr nickt. „Ich möchte mich herzlich bei Ihnen bedanken!“, sage ich. „Das Sie mich vorgelassen haben war wirklich sehr nett.“ „Wir müssen doch zusammenhalten und ich habe Zeit.“ sagt Herr Löhr freundlich.
Rücksichtnahme ohne Eigennutz
Irgendwo in der Bibel steht achtet aufeinander und nehmt euch mal zurück, wenn es anderen gerade nicht so gut geht. Rücksichtnahme ohne Eigennutz ist eines der Lieblingsthemen Gottes und Herr Löhr hat das beherzigt. Einfach so - ohne etwas dafür zu erwarten.