Gott an den Häusern
Ich sollte das Wort Gott nach Möglichkeit vermeiden, hat mir einmal ein Meinungsforscher geraten. Denn das Wort „Gott" kommt im Alltag kaum noch vor und ist vielen fremd. Das kam mir nicht richtig vor. Denn „Gott sei Dank" sagt man doch immer noch — wenn ein Unfall glimpflich ausgeht oder ein Unwetter nicht so schlimm war wie befürchtet.
Gottes Name an Fachwerkhäusern: Ein stilles Bekenntnis mitten im Dorf
Und dann sehe ich diese alten Sprüche an den Fachwerkhäusern in meinem Dorf. Da gibt es ungefähr zehn, an denen das Wort Gott deutlich für alle sichtbar steht: „Dieses Haus wurde durch Gottes Hilfe erbaut." Dazu die Jahreszahl, der Name des Zimmermanns und oft noch ein Segensspruch aus der Bibel. Bis heute hat niemand diese Worte übertüncht. Das Wort steht dort sichtbar an der Straßenseite, für alle, die vorbeigehen.
Nicht alles liegt in unserer Hand
Ich finde das gut. Für mich ist das ein stilles Bekenntnis. Es erinnert daran, dass nicht alles an unserer eigenen Kraft hängt. So viel wir auch leisten, bauen oder besitzen: Alles liegt nicht in unserer Hand. Der Mensch ist nicht allmächtig, er beherrscht das Leben nicht.
Dankbarkeit und ein anderer Blick auf das Leben
Das Wort Gott macht mich bescheiden. Ich bestimme nicht alles. Und gerade dieses Bewusstsein kann gut tun: etwas Demut, etwas Zurückhaltung, ein bisschen Dankbarkeit für das, was gelingt. Auch deshalb hat das Wort Gott bis heute seinen Platz.