Das „Prinzip Schimmelreiter“
Feuer und Wasser sind gefährliche Naturgewalten. Lodernde Waldbrände erleben wir in diesem Sommer wieder. Meterhohe Flutwellen sind für Küstenregionen ein Problem. Wenn ich solche Wassermassen sehe, denke ich an die Novelle „Der Schimmelreiter“ von Theodor Storm. Aktuell läuft der „Schimmelreiter“ als Musical in Fulda.
Es sind dramatische Szenen: Als der Damm zu brechen droht und seine Frau mit dem behinderten Kind um ihr Leben bangen muss, stürzt sich der Deichgraf Hauke Haien samt Schimmel in die schäumende Sturmflut und ruft: „Herr Gott, nimm mich; verschon die andern!“
Mut statt Wegducken
Mich hat diese Szene schon beim Lesen in der Schule fasziniert. Oft wird interpretiert, Hauke habe sich in der Nachfolge Jesu verhalten, der die „Sünde der Welt“ auf sich nahm und zum Erlöser wird. Nein, Hauke ist nicht Jesus. Hauke reagiert in einer von Aberglauben geprägten Zeit so, als könnte sein Opfer einen Sturm beenden. Als ob Feuer oder Wasser auf uns Menschen hören.
Ganz schön naiv. Oder aber: mutig. Wenigstens einer, der nicht nur an sich denkt. Einer, der nicht nach dem Sankt-Florians-Prinzip lebt, bei dem man Gefahren nicht selbst löst, sondern abwälzt. Der Spruch dazu ist genau das Gegenteil des Schimmelreiters: „Heiliger Sankt Florian - verschon mein Haus, zünd andre an.“
Gegen das Sankt-Florian-Prinzip: Verantwortung übernehmen
Menschen haben immer die Wahl: Wegducken oder sich für andere engagieren. Unser persönliches Wohl im Zentrum sehen oder das der Menschen um uns herum. Christen glauben nicht an Opfer die Naturgewalten besänftigen. Aber sie glauben an Menschen, die Verantwortung füreinander übernehmen.
Wie wir auf Krisen reagieren sollen
Ich glaube, dass Gott nicht will, dass wir uns samt Pferd opfern. Aber er stärkt uns, Mitmenschen zu sein, an das Gemeinwohl zu denken und so zu leben, dass Feuersbrunst und Wasserfluten nicht auch noch von uns Menschen begünstigt werden. Und so zu leben, dass wir gemeinsam Menschenleben bei solchen Krisen retten können.