hr4 ÜBRIGENS
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Häbel, Dr. Ulf

Eine Sendung von
Dr. Ulf Häbel,
Evangelischer Pfarrer, Laubach-Freienseen

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Ein lächelnder Mann steht an einer Haustür, hält ein Tablett in der Hand und trägt ein Ausweis. Im Hintergrund sind Wohnhäuser und Autos zu sehen. Der Mann scheint eine Lieferung oder einen Besuch zu machen.

Besuch, der dankt

Seit elf Jahren bin ich Mitglied der Stadtverordnetenversammlung von Laubach, einer kleinen Stadt am Vogelsberg. Ich empfinde es als Vertrauensbeweis, Wertschätzung, dass Menschen aus meiner Stadt mich in dieses Parlament gewählt haben. Gebe ich diese Wertschätzung eigentlich auf irgendeine Weise angemessen zurück? Das habe ich mich gefragt, als wir im Parlament über eine Altersstudie gesprochen haben.

Einsamkeit im Alter

In der Studie ging es darum, wie es alten Menschen in unserer Stadt und ihren Dörfern wirklich geht. Was erfreut sie? Was macht ihnen Sorgen? Einsamkeit im Alter wurde zum Thema. Da habe ich mich gefragt: Wie wäre es, wenn ich und die anderen gewählten Stadtverordneten alte, vereinsamte Menschen einmal besuchen würden.

Ein Besuch als Dank

Ein Hausbesuch könnte doch selbst eine Form von Wertschätzung sein, sozusagen ein Dank dafür, dass jemand uns gewählt hat. „Ich würde Sie gerne einmal besuchen.“ Bei so einem Besuch ginge es nicht darum, Politik zu erklären. Es ginge ums Zuhören: einfach wahrnehmen, wie es dem Menschen geht, wie er lebt – zufrieden oder enttäuscht, glücklich oder traurig in seiner Lebenssituation. Zuhören, wahrnehmen, Beachtung schenken: Das ist Wertschätzung. Und aus Wertschätzung wächst auch Vertrauen.

Zeit schenken ohne Gegenleistung

Diese Idee will ich in unser Parlament einbringen. Zeit schenken, ohne etwas davon zu haben: Das hat was für mich von gelebter Nächstenliebe im Alltag.