Barbara
Meine Freundin Barbara ist unkompliziert und ehrlich. Sie sagt, was sie denkt, und setzt sich leidenschaftlich für das ein, was ihr am Herzen liegt. An den Tag, an dem ich ihr zum ersten Mal begegnete, kann ich mich noch genau erinnern: Ins Gespräch vertieft steht sie da in einer Gruppe mit anderen. Sie ragt heraus: groß und sportlich, strahlt übers ganze Gesicht – und dann ihre rote Lockenpracht. Es ist der erste Tag an der Uni. Fast fünfunddreißig Jahre ist das her.
Auch Barbara und ich kommen irgendwann ins Gespräch. Wir sind uns von Anfang an sympathisch. Wir sind auf gleicher Wellenlänge, können Nächte lang miteinander diskutieren und manchmal auch streiten, setzen uns leidenschaftlich für Dinge ein, von denen wir überzeugt sind, und verstehen uns in manchmal auch ohne Worte. Da reicht schon ein Blick und das Lachen geht los. Das ist bis heute so.
Auch über große Entfernungen hinweg hielten wir Kontakt und verloren uns nicht aus den Augen. Ich erinnere mich an unzählige Telefonate, bei der die eine die andere anrief: „Hast Du einen Moment. Ich brauche mal deinen Rat“ – manchmal auch mitten in der Nacht. Wir kennen uns gut und wissen voneinander, was uns traurig macht, worunter wir leiden, was uns ärgert oder freut, und wo wir an unsere Grenzen stoßen.
Heute arbeiten wir beide als Pfarrerin, sie im „hohen Norden“ und ich südlich des Mains. Einmal im Jahr treffen wir uns für ein Wochenende, das ist inzwischen Tradition. Dann ist es so, als wären wir erst gestern auseinandergegangen. Gut, so eine Freundin zu haben. Sie ist für mich mehr als ein blühender Zweig an dunklen Wintertagen. Sie blüht das ganze Jahr über. Heute, an ihrem Namenstag, denke ich besonders an meine Freundin Barbara.