hr4 ÜBRIGENS
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Olschewski, Gudrun

Eine Sendung von

Evangelische Pfarrerin, Pfungstadt

Lichterbäume

Lichterbäume

Hell strahlen sie wieder in diesen Tagen, die Bäume mit den vielen Lichtern. Sie glitzern und glänzen im Dunkeln und ziehen mich magisch an. Es ist sicher kein Zufall, dass ich gerade in dieser trüben Jahreszeit das Bedürfnis habe, Licht auch bewusst wahrzunehmen, so wie die Lichter an den Bäumen zur Weihnachtszeit. Das sind für mich Lichter, die anders sind als grelle Neonleuchten. Es sind Lichter, die die Augen nicht blenden, Lichter, die die Augen aufgehen lassen. Schon von weitem sind sie zu sehen - die Bäume: besonders dann, wenn es noch dunkel ist - am Morgen auf dem Weg zur Arbeit, oder dann, wenn es schon wieder dunkel ist: am Abend, auf dem Weg nach Hause. Gerade dann werden sie zum wohligen Lichtblick in der Dunkelheit.

Und das ist gut so. Menschen brauchen Lichtblicke. Da schreibe ich nach langem Schweigen einen Brief an eine alte Freundin. Und sage ihr damit: „Auch wenn Du so lange nichts von mir gehört hast, ich habe dich nicht vergessen.“ Oder ich bekomme unerwartete Hilfe. An einem Tag, an dem alles wie ein großer Berg vor mir zu liegen scheint, an dem ich nicht mehr weiß, wo ich eigentlich anfangen soll, da sagt einer zu mir: „Komm, lass mal sehn, wenn ich mit anpacke, dann kriegen wir das eher hin. Wir sind ruck zuck fertig, wenn wir es gemeinsam tun.“ Solche kleinen Lichtblicke sind nötig. Sie geben mir Kraft, wenn etwas unüberwindbar und dunkel erscheint.

In der Bibel sagt ein Mensch voller Vertrauen: „Gott ist mein Licht..., vor wem sollte ich mich fürchten“. Er weiß, dass ihm das Leben in Zukunft dunkle Stunden nicht erspart. Aber er vertraut darauf, dass sich das Licht letztlich durchsetzt. Auch daran erinnern mich die Lichterbäume zur Weihnachtszeit.