Die Welt mit Kinderaugen sehen
Der Herbst war nicht gerade meine Lieblingsjahreszeit. Die Tage werden kürzer und merklich kühler. Und dann fallen die Kastanien von den Bäumen, zerbeulen Autos und werden auf dem Gehweg zur Stolperfalle. Und auf dem Bürgersteig verwandelt sich das Laub im Regen zu einer matschigen Rutschbahn. Und dann auch noch der Nebel. Nein, der Herbst war nicht gerade meine Jahreszeit.
Bis mich meine Kinder daran erinnert haben, wie viele Wunder der Herbst bereithält. Ich hatte vergessen, wie viel Spaß es macht, Kastanien zu sammeln und daraus Ketten und Figuren zu basteln. Wie lecker Bucheckern sind, wie lustig es ist, mit den Füßen durch Berge von trockenem Laub zu rascheln. Darüber zu staunen, wie ein grünes Blatt mit einem Mal in rot, gelb und orange leuchtet.
Ich war wohl zu erwachsen geworden. Hatte meine Fantasie vergessen. Für mich waren die Nebelschwaden über dem See nur Wassertropfen. Für meine Tochter sind es Gespenster, die sich zum Tanzen treffen. Vernünftig und erwachsen sein, ist eine gute Sache, aber es tut auch gut sich eine gewisse Kindlichkeit zu bewahren – oder wiederzuentdecken.
Der Herbst wird wohl trotzdem nicht meine Lieblingsjahreszeit werden. Aber es ist eine Zeit, in der man so viel entdecken kann. Eine Zeit voller Wunder.