Wehrpflicht: Eine eigene Meinung entwickeln
Moderator/in: Wer 18 wird, bekommt zum Geburtstag meist einiges an Post – neuerdings auch von der Bundeswehr. Mit einem Fragebogen. Darin steht zum Beispiel: „Bist du bereit, Wehrdienst zu leisten?“
Alle Männer müssen antworten. Alle anderen dürfen selbst entscheiden. Und das ist ja eine Entscheidung, die im Leben viel verändern kann. Stellt sich die Frage: Woher weiß ich, ob ich die richtige Wahl treffe?
Die Evangelische Kirche in Hessen sagt: „Wer dabei Unterstützung möchte, findet sie bei uns.“ Fabian Vogt von der Evangelischen Kirche: Was genau bietet die Kirche da an?
Kirche und Gewissen: Welche Hilfe gibt es konkret?
Fabian Vogt: Na, erst mal bekommen die 18-Jährigen auch von der Evangelischen Kirche eine Postkarte, und die lädt ein auf eine Website: „deine-meinung.info“. Eine Seite, die hilft, eine kluge Gewissensentscheidung zu treffen – zum Beispiel mit einer „Checkliste Gewissen“. Da kann man für sich klären: Warum möchte ich mich für oder gegen den Wehrdienst entscheiden? Und natürlich gibt’s auch das Angebot, mit Beraterinnen und Beratern zu sprechen – per Mail, per WhatsApp oder ganz persönlich. Weil es einfach guttut, so eine Entscheidung nicht allein zu treffen, sondern mit jemand Erfahrenem.
Moderator/in: Nun könnte man ja denken, die Kirche schaut da auf jeden Fall pazifistisch drauf?
Wie steht die Kirche zur Wehrpflicht?
Fabian Vogt: Das stimmt, das Gebot „Du sollst nicht töten“ ist im Christentum wirklich zentral, genauso wie der Satz „Ihr sollt Schwerter zu Pflugscharen schmieden“ (Micha 4,3) aus der Bibel. Frieden hat also absolute Priorität. Aber: Wenn jemand angegriffen wird, kann es auch ein Zeichen christlicher Nächstenliebe sein, ihm beizustehen. Zum Beispiel bei internationalen Friedenseinsätzen. Deshalb gilt für das Beratungsangebot der Evangelischen Kirche: Es ist ergebnisoffen. Wichtig ist, dass jemand für sich eine mündige und gute Entscheidung treffen kann.