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Reuter, Eva

Eine Sendung von
Eva Reuter,
Katholische Pastoralreferentin, Citypastoral in Mainz und Frauenpastoral im Bistum Mainz

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Viele Centmünzen

Weltspartag

Für mich ist der 30. Oktober verbunden mit einem schweren Sparschwein. Am Weltspartag bin ich als Kind immer mit meiner Mutter zur Sparkasse gegangen und habe den Inhalt meines Schweins auf mein Sparbuch eingezahlt. 

Was bedeutet der Weltspartag heute noch?

Heute habe ich immer noch ein Sparschwein, aber es wird nicht mehr so pünktlich an diesem Tag geleert. Ich spare heute auch anders. Die meisten Menschen in Deutschland legen sich etwas zurück: für den Urlaub oder für Notfälle oder für das Alter. Es gibt aber auch immer mehr Menschen, denen am Ende des Monats nichts übrigbleibt, die keine Reserven anlegen können. 

Ich finde, wir als Gesellschaft sollten uns deshalb etwas anderes sparen. Wir sollten uns sparen, ständig auf andere zu schielen und einzelnen oder Gruppen vorzuwerfen, sie würden auf Kosten anderer leben. 

Die “Fleißigen” gegen die “Faulen”?

Was bringt das denn? Sicher, es sollte gerecht zugehen. Aber was gerecht ist, lässt sich oft nicht in Raster pressen. Es gibt Alleinerziehende, die würden gerne arbeiten, finden aber nicht den passenden Job, weil sie eben Kinderbetreuung und Arbeit allein unter einen Hut bekommen müssen.

Was nützt es, die als faul zu beschimpfen? Das spart kein Geld, das zahlt nur ein auf das Konto der Parteien und Populisten, die sehr schnell dabei sind, zu spalten. „Wir Fleißigen“ gegen „die Faulen“. Das zahlt ein auf das Konto derer, die Unsicherheit im Land schüren wollen, weil ihnen das nützlich erscheint für ihre ganz eigenen Ziele.

Das Konto der guten Worte

Als Christin spare ich mir – nicht nur heute – gehässige Kommentare aller Art. Ich will einzahlen auf das Konto der guten Worte. Ich will mir Schätze sammeln im Himmel, wie Jesus es einmal sagt (Mathäus-Evangelium 6,20).

Diese Schätze im Himmel sind nicht materiell, sie lassen sich auch nicht umrechnen in Euro. Sie tragen zu einem großen Schatz bei: Frieden und Gerechtigkeit für alle Menschen.

Natürlich sollte ich als Christin auch meinen materiellen Besitz teilen. Ich kann etwas spenden. Heute fallen mir dazu als erstes alle die Organisationen ein, die sich gegen die Spaltung der Gesellschaft und gegen Hass und Hetze im Netz einsetzen. 

Was können wir außer Geld noch miteinander teilen?

Grundsätzlich teile ich gerne von dem, was ich habe: Nicht nur mein Geld, sondern auch meine Ortskenntnis, wenn jemand verwirrt in der Stadt steht. Oder meine gute Laune, weil mein Kollege mir heute ein Kompliment gemacht hat. Und schwupp – ein wenig mehr positive Stimmung im Umlauf. 

Meistens bekomme ich die Zinsen bald zurück: Ein freundliches Dankeschön, ein Lächeln, ein hilfsbereiter Beamter, der mir das Formular erklärt. 

Der Sparplan für mehr Freundlichkeit im Leben

Ich spare also Unfreundlichkeiten ein und bekomme dadurch mehr Freundlichkeit in meinem Leben. Und das Schöne ist: Mit diesem Sparplan kann jede und jeder sofort anfangen. Der Kontostand spielt dabei überhaupt keine Rolle. 

Ich stelle mir gerade vor, was für ein wundervoller Tag der 30. Oktober sein könnte, wenn alle den Weltspartag auf diese Weise begehen würden…