Was ist gerecht?
„Wenn wir uns nicht einigen können, ob die Klassenfahrt in die Berge zum Skifahren geht oder im Sommer ans Meer, dann können die Kinder ja zwei Klassenfahrten machen.“ – Diesen Satz hab ich bei einem Elternabend gehört.
Mich hat das betroffen gemacht. Vor allem deshalb, weil dem Vater, der das geäußert hat, offensichtlich gar nicht bewusst war, was sein Vorschlag für andere im Raum bedeutet.
Der Welttag der sozialen Gerechtigkeit
In der Schule sind Kinder aus verschiedenen sozialen Schichten und dieser Satz hat mir gezeigt, wie weit die soziale Schere inzwischen auseinanderklafft.
Der Welttag der sozialen Gerechtigkeit, der jährlich am 20. Februar stattfindet, will darauf aufmerksam machen: Es braucht mehr Anstrengungen, damit die Ressourcen und Chancen auf der Welt gerechter verteilt werden und mehr Sensibilität.
Das Ungleichgewicht wird immer größer
Im Moment ist es in Deutschland so, wie auf dem Elternabend: Während die einen unter sich schauen und fieberhaft rechnen, wie sie dem Kind die Teilnahme an einer Klassenfahrt ermöglichen können, ohne am täglichen Bedarf zu sparen, sehen andere eine zusätzliche Klassenfahrt als gute Lösung für einen Konflikt.
Ich bin nicht naiv. Mir ist klar: Wir leben in einer Marktwirtschaft, in der es um Gewinnmaximierung geht. Und logischerweise gibt es dann Reiche und Arme. Während die einen den zehnten Kurzurlaub planen, suchen die anderen Pfandflaschen im Müll. Gut finde ich diese größer werdende Ungleichheit nicht.
Spenden kann helfen
Ich frage mich auch, was ich tun kann, damit sich daran etwas ändert und zumindest ein rücksichtsvolles Bewusstsein entsteht. Abgesehen von Wahlentscheidungen versuche ich im Alltag etwas beizutragen. Ich beteilige mich zum Beispiel gerne an Spenden-Aktionen für mein direktes Umfeld.
Und ich versuche, Menschen zu sensibilisieren, wenigstens die Realität wahrzunehmen. An dem Elternabend kam es nicht dazu, weil die Lehrerin darauf hingewiesen hat, dass eine zweite Klassenfahrt nicht in Frage kommt.
Aber bei einer Spendenaktion habe ich den Förderverein der Schule auf etwas aufmerksam gemacht: Ich finde es unsensibel, wenn der kleinste Spendenbetrag, den man ankreuzen kann, 50 Euro beträgt. Es drückt für mich aus: „Drunter ist ja läppisch, das zählt nicht“. Und für mich schwingt dabei mit: Wer sich das nicht leisten kann, zählt nicht.
Soziale Ungerechtigkeit gab es schon zu Jesus' Zeit
Das finde ich falsch. Und als Christin weiß ich dabei Jesus auf meiner Seite. Als der nämlich einmal im Tempel beobachtet hat, wie viel Menschen spenden, hat er gesagt: „… Diese arme Witwe hat mehr hineingeworfen als alle anderen. Denn sie alle haben nur etwas von ihrem Überfluss hineingeworfen; diese Frau aber, der es am Nötigsten mangelt, hat ihren ganzen Lebensunterhalt hergegeben.“ (Lukas-Evangelium 21,3-4)
Also: Soziale Ungerechtigkeit gab es schon in biblischer Zeit, aber wer das als Grund sieht, sich zurückzulehnen und zu sagen: „Kann man eh nichts machen, ist halt so“, macht es sich meiner Meinung nach zu einfach. Ich werde mich jedenfalls weiter bemühen, dagegen anzugehen – nicht nur heute am Welttag der sozialen Gerechtigkeit.