hr2 ZUSPRUCH
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Flicker, Steffen

Eine Sendung von
Steffen Flicker,
Schulleiter der katholischen Schule Marianum Fulda und Vorsitzender des Katholikenrates im Bistum Fulda

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Ein Korb voller roter Chilischoten steht auf einem Tisch. Die Chilischoten sind frisch und üppig, einige liegen verstreut um den Korb. Im Hintergrund sind unscharf Pflanzen und Blumen zu erkennen, was auf eine Gartenumgebung hindeutet.

Warum ist die Paprika rot?

Wir sitzen gemütlich beim Abendbrot, als meine damals zweijährige Tochter plötzlich fragt: „Warum ist die Paprika eigentlich rot?" Stille. So schnell fällt meiner Frau und mir keine passende Antwort ein.

Die Paprika-Frage

Daraufhin fragt sie weiter: „Und wieso sind die Paprika-Farben wie die Ampel-Farben: Rot, gelb und grün?" Gute, spannende Fragen. Guter Rat ist hier erst einmal teuer. Ich musste mich danach selbst kundig machen.

Grundkurs Biologie

Vereinfacht erklärt: Am Anfang sind alle Paprikaschoten grün. Das kommt vom Chlorophyll, dem grünen Blattfarbstoff. Wenn die Paprika heranwächst, baut sie dieses Chlorophyll ab und wechselt die Farbe zu gelb und rot. Bei voller Reife überwiegen bestimmte Farbstoffe, sogenannte Carotinoide.

Ja, ich weiß: Es gibt auch orange Paprika. Und mancher Biologe kann das noch präziser erklären. Aber für mich hat sich damals beim Abendbrot wieder gezeigt: Kleine Kinder stellen die spannendsten Fragen. Solche, die uns Erwachsene erst einmal ins Nachdenken bringen.

Dankbarkeit für die Früchte der Erde

Am Erntedankfest, das wir am Wochenende feiern, geht es nicht nur um grüne, gelbe und rote Paprika. Es geht um alle Früchte, die die Natur uns schenkt. Und um Dankbarkeit für all das, „was uns die Erde Gutes spendet" – wie es so schön in einem Kirchenlied heißt.

Darin heißt es weiter: „Was wir begonnen und vollendet, sei Gott und Herr, zu dir gebracht." So geht es nicht nur in der Landwirtschaft: von der Saat bis zur Ernte, vom Beginn bis zur Vollendung. Auch mein ganzes Leben ist davon geprägt. Es gibt einen Anfang – und es gibt eine Vollendung.

Vom Beginn bis zur Vollendung: ein Leben wie die Ernte

Am Erntedanksonntag steht die Dankbarkeit im Mittelpunkt. Nach der Aussaat im Frühling, nach Wachsen und Reifen im Sommer, findet im Herbst die Ernte statt. Wenn die Früchte der Erde in die Scheune gebracht werden, danken die Menschen für alles, was sie ernten konnten. Vielerorts erinnern heute wunderschön gestaltete Erntedankaltäre daran. 

Überfluss hier, Hunger anderswo

Wir leben in einem Land, in dem es keinen Mangel an Lebensmitteln gibt. Die Supermärkte und Gemüsestände auf den Wochenmärkten sind voll. 

Ganz anders sieht es in anderen Teilen der Welt aus. Jedes Jahr veröffentlicht die UNO Zahlen von Menschen, die wegen Mangelernährung oder Hunger sterben. Das sind erschreckende Ausmaße. Auf der anderen Seite wird immer wieder berichtet, wie viele Tonnen an Lebensmitteln Jahr für Jahr in unserem Land weggeschmissen werden. 

Auch daran sollte man gerade am Erntedankfest wieder erinnern. Und vielleicht werde ich dadurch neu sensibilisiert für den sorgfältigen Umgang mit den Gaben der Natur.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein frohmachendes Erntedankfest, und wenn Sie heute Paprika essen: guten Appetit!