Statt Steinen Blumen - wie Banksy inspiriert
Der Street-Art-Künstler Banksy hat einmal einen vermummten Demonstranten gemalt. Der Mann holt aus, bereit, etwas zu werfen – vielleicht einen Stein oder einen Molotowcocktail. Doch in seiner Hand ist kein Sprengsatz. Es ist ein Blumenstrauß.
Banksys Blumenwerfer: Wenn Gewalt und Frieden zusammenfallen
Dieses Bild – der Blumen-Werfer, „Flower Thrower“ – irritiert. Gewalt und Zartheit fallen in einem Moment zusammen. Angriff und Frieden stehen nebeneinander. Unser Denken gerät ins Stocken. Und genau darin liegt die Kraft des Bildes.
Banksy in Hanau: Bilder, die den Blick verschieben
In Hanau ist zurzeit eine Ausstellung zu sehen mit Reproduktionen von Banksys Werken. Viele dieser Bilder zeigen die Wirklichkeit – aber ein wenig verschoben. Man bleibt stehen, schaut länger hin. Plötzlich merkt man: Was eben noch eindeutig schien, ist es gar nicht mehr.
Warum macht Kunst plötzlich still?
Das ist ein fast magischer Moment. Wenn ich vor einem Bild stehe, auf eine Szene schaue – dann werde ich auf einmal still. Weil ich erst einmal schauen und sortieren muss.
Mystik und Gegensätze: Eine alte Denkbewegung
Der Künstler Banksy steht damit in einer großen Tradition. Schon jahrhundertelang wenden Denker diese Methode an. Man nennt sie Mystiker. Sie lassen Gegensätze zusammenfallen. So wollen sie erfahren, dass Gott ihnen nahe ist. Denn Gott – so sagen sie - ist nicht zu fassen mit Begriffen wie Gut und Böse, Krieg und Frieden, Ordnung und Chaos. Wenn Begriffe verstummen, entsteht Raum. Raum zum Staunen. Raum zum Hören. Raum dafür, dass etwas Größeres ins Denken hineinleuchtet.
Kunst als Einspruch gegen schnelle Urteile
So ähnlich geht es mir manchmal auch, wenn ich ein Bild von Banksy anschaue. Seine Kunst führt mich über meinen Alltagsverstand hinaus und stellt meine Erfahrungen in Frage.
Blumen statt Sicherheitssperren
Interessant ist: Solche Bilder kann ich gerade auch im Alltag entdecken. In Frankfurt gibt es auf großen Plätzen große Poller zur Abwehr von Terror. Jetzt stehen daneben zum selben Zweck große rechteckige Steine, auf denen Blumen wachsen. Wie ein Hochbeet für die Sicherheit. Da denke ich an Banksys Blumenwerfer. An diese Bewegung, die für Gewalt steht, für Zerstörung – und stattdessen Blumen wirft.
Bilder, die den Lärm unterbrechen
Ich brauche solche Bilder, die schnelle Urteile unterbrechen. Bilder, die für einen Moment aus dem Lärm der Meinungen herausholen.
Wenn ich still werde, verändert sich der Blick
Denn wenn ich in so einem Moment still werde, passiert etwas. Ich beginne anders zu sehen. Ich merke: Die Welt ist größer als meine einfachen Gegensätze. Nicht nur gut oder böse. Nicht nur Krieg oder Frieden. Oft ist beides gleichzeitig da.
Wo kann Neues entstehen?
Und genau in diesem kleinen Spalt – zwischen meinen schnellen Urteilen – kann etwas Neues entstehen.
Die Mystiker würden sagen: Genau dort kann Gott aufscheinen. Nicht als laute Stimme. Sondern als ein leiser Gedanke. Als ein neuer Blick auf einen Menschen. Statt Stein Blumen. Als eine Hoffnung, die ich vorher nicht gesehen habe.