Sonne, Meer, unbeschwert
Bei meinen Besuchen an der belgischen Küste, in diesem Sommer und auch schon früher, da ist mir immer wieder ein Schild am Strand aufgefallen. Auf Niederländisch steht darauf: Zon, zee…sorgeloos. Übersetzt heißt das in etwa: Sonne, Meer, unbeschwert. Und darauf zu sehen sind drei Piktogramme: Wellen, ein Sonnenschirm – und ein Rollstuhl.
Dieser Service wird gerne in Anspruch genommen
Das Schild weist auf einen besonderen Service hin: In mehreren Küstenorten stehen am Strand spezielle Rollstühle zur Verfügung, mit großen, aufgepumpten Reifen, die sich auch über den Sand schieben lassen. Und wer einmal versucht hat, einen normalen Rollstuhl oder auch nur einen Kinderwagen über einen Sandstrand zu schieben, der weiß: Das ist praktisch unmöglich. Die Strandrollstühle können unkompliziert ausgeliehen werden, geschulte Assistentinnen und Assistenten stehen ebenfalls bereit. Sie unterstützen beim Umsteigen in den Strandrollstuhl und nehmen die Straßenrollstühle in Verwahrung. Außerdem gibt es an diesen Stützpunkten barrierefreie Toiletten und teilweise auch geräumige Umkleideräume und Duschen. Alles ist kostenfrei, die Verwaltung der Provinz Westflandern sorgt für diesen Service, und ich habe den Eindruck: Er wird gerne in Anspruch genommen. Auf jeden Fall habe ich am Strand oft Menschen mit diesen speziellen Rollstühlen gesehen.
Es ist für ihre Teilhabe an dem Vergnügen gesorgt
Auf den ersten Blick wirkt dieser Service eigentlich wie keine allzu große Sache, aber ich finde: Da steckt ziemlich viel drin. Natürlich für die Betroffenen, die so auch die Chance haben, eine schöne Zeit am Strand zu verbringen. Vor allem aber beeindruckt mich die Haltung, die hinter diesem Angebot steht: Nicht laufen können – das darf kein Grund sein, dass jemand vom Strandleben ausgeschlossen ist. Jeder und jede soll das Vergnügen haben, Strand und Meer zu genießen. Und das ist auch nicht allein die Sache der Betroffenen, die eben das Pech haben, nicht laufen zu können; nicht sie müssen sich etwas organisieren, damit sie an den Strand kommen. Sondern: Es ist dafür gesorgt, dass sie teilhaben haben können an diesem Vergnügen.
“Es ist nicht ihr privates Schicksal”
Ich glaube, das ist eine gute Haltung, nicht nur am Strand, nicht nur, wenn es um Rollstuhlfahrer geht. Jeder und jede soll Zugang haben, soll teilnehmen können an wichtigen und schönen Dingen, an Bildung, Sport und Kultur, am Gemeinschaftsleben. Und es wichtig, dass es eine öffentliche Aufmerksamkeit gibt für das, was Menschen brauchen, die es schwerer haben. Es ist nicht ihr privates Schicksal, sondern die Gemeinschaft sollte ein Stück Verantwortung dafür übernehmen. Ich hoffe und wünsche es mir, dass so eine Haltung unsere Gesellschaft prägt. Und das Beispiel von der belgischen Küste zeigt auch: Es ist vielleicht gar nicht so schwer.