hr2 ZUSPRUCH
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Dechant, Rebecca

Eine Sendung von

Katholische Gemeindereferentin im PV St. Flora und St. Lioba Petersberg-Künzell-Fulda, Petersberg

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Ein Mädchen bläst Seifenblasen.

Seifenblasen sind wie Worte: Kleine Momente, große Wirkung

Neulich war mein kleines Patenkind zu Besuch. Ein herrlicher Tag: blauer Himmel, Sonnenlicht, das durch die Baumkronen glitzerte. Ganz klar, dachte ich — wir verbringen diesen Tag draußen im Garten.

Seifenblasen im Garten: Ein Moment voller Staunen und Freude

Und dann, ohne Vorwarnung, springt die Kleine los. Ihre Augen beginnen zu strahlen. Durch die Luft schweben Seifenblasen. Überall. Groß, klein, rund, länglich – ein ganzer Tanz aus schillernden Farben. Meine Kinder hatten im Gartenschuppen gekramt und irgendwo noch eine Seifenblasenflasche gefunden. Ich selbst bin auch fasziniert: Wie lange habe ich eigentlich keine Seifenblasen mehr bewusst angeschaut? Und schon gar nicht mit dieser Freude, wie es mein kleines Patenkind gerade tut. Dieses Staunen … dieses pure „Wow“.

Das kleine Wunder der Alltäglichkeit: Wasser, Seife und Luft

Zugegebenermaßen ist da nicht viel drin: Nur Wasser und Seife. Etwas ganz Alltägliches. Wir waschen ständig unsere Hände damit. Im Haushalt begegnet uns diese Mischung überall. Und dann passiert dieses kleine Wunder: Mit dem richtigen Mischverhältnis und einem winzigen Plastikring entsteht es. Man muss nur einmal sachte hindurchpusten. Und es geschieht: Eine Seifenblase hebt ab, tanzt im Licht, schimmert in allen den Farben - und plötzlich zerplatzen sie. Einfach so.

Worte wie Seifenblasen: Flüchtig, sensibel und wirkungsvoll

Und genau so ist es manchmal auch mit unseren Worten. Man sagt etwas — vielleicht sogar gut gemeint — und beim Gegenüber kommt es ganz anders an. Worte zerplatzen. Verstehen scheitert. Und manchmal bekommt sogar das ganze Miteinander einen kleinen Knacks. Seifenblasen sind wie Worte: flüchtig, schön, sensibel. Ein kurzer Impuls genügt, und sie schweben los. Sie können verzaubern, Leichtigkeit schenken, Hoffnung ausdrücken … oder eben im falschen Moment zerplatzen und enttäuschte Erwartungen hinterlassen.

Vergänglichkeit, Schönheit, Wirkung, Empfindlichkeit - all das steckt in ihnen. Worte brauchen Achtsamkeit. Denn ein unbedachtes Wort kann so schnell platzen wie eine Seifenblase am Gartenzaun.

Vielleicht sind Seifenblasen deshalb kleine Lehrerinnen des Lebens und des Glaubens. Sie erinnern uns daran, wie schnell ein Moment vorbei sein kann. Wie kostbar es ist, achtsam mit Worten umzugehen. Sie erinnern uns auch daran, dass der Atem — unser Lebenshauch — etwas erschaffen kann, das die Welt für einen Moment schöner macht.

Seifenblasen als Lebenslehrer: Momente wahrnehmen und genießen

Dass Leichtigkeit ein göttliches Geschenk ist. Dass wir mit dem, was wir sagen, Farbe in das Leben anderer bringen können. Und dass manches einfach nicht bleibt und trotzdem wunderschön war. Wir müssen nicht alles festhalten. Manches darf einfach tanzen, schimmern – und dann weiterziehen. So wie eine Seifenblase im Sonnenschein.