Phöbe & Gregor
Ein sehr ungleiches Paar steht heute im Heiligenkalender der katholischen Kirche: Papst Gregor der Große und Phöbe – sie beide haben heute ihren Gedenktag. Sonst haben sie nicht allzu viel gemeinsam, vielleicht noch, dass ihr Leben weit zurück in der Vergangenheit liegt.
Aber immerhin kennen einige seinen Choral
Gregor lebte um das Jahr 600 und er ist ein kirchengeschichtliches Schwergewicht: Er war Bischof von Rom, damit Papst, ein überaus tüchtiger Kirchenmann – und vor allem: Er hat ein umfangreiches Werk hinterlassen, Briefe, theologische Schriften, Predigten. Sicher, heute ist Gregor nur noch den wenigsten ein Begriff, auch unter Christinnen und Christen. Aber immerhin kennen einige den Gregorianischen Choral, der nach ihm benannt ist, und in vielen Kirchen finden sich Bilder und Statuen von ihm.
„Für viele war sie ein Beistand, auch für mich selbst“
Phöbe lebte noch früher, wirklich zur Zeit der Anfänge des Christentums, in Griechenland. Nur einige Sätze der Bibel erzählen von ihr. Im Brief des Paulus an die Gemeinde in Rom heißt es gegen Ende: „Ich empfehle euch unsere Schwester Phöbe, die auch Dienerin der Gemeinde von Kenchreä ist“. Und weiter bittet Paulus die Gemeinde in Rom, Phöbe aufzunehmen und ihr beizustehen, denn – so heißt es – „für viele war sie ein Beistand, auch für mich selbst“ (Röm 16, 1 EÜ). Paulus nennt Phöbe „Dienerin“, im Original des Briefs steht das griechische Wort „diakonos“ – vermutlich handelte es sich um eine feste Funktion in der Gemeinde, die Phöbe innehatte. Auch wenn nicht ganz klar ist, was damit genau gemeint ist: Phöbe ist sicherlich eine hochengagierte Christin gewesen, die in ihrer Gemeinde eine herausgehobene Stellung hatte. Paulus schreibt voller Wertschätzung über sie.
Sie hat keine Zeile selbst geschrieben
Für mich stehen Gregor und Phöbe auch dafür, wie unterschiedlich Menschen in der Kirche in Erinnerung geblieben sind. Gregor der Große, Bischof und Inhaber des höchsten kirchlichen Amts, ist nie in Vergessenheit geraten. Mit seinen vielen Schriften hat er selbst den Grundstein dafür gelegt. Ganz anders hingegen Phoebe. Sicherlich: Es ist viel weniger über sie bekannt, sie hat keine Zeile selbst geschrieben. Aber Theologinnen und Theologen heute sind sich weitgehend einig, dass Frauen in den ersten christlichen Gemeinden eine wichtige Rolle spielten. Erst in den letzten Jahrzehnten ist das Interesse an diesen Frauen wieder erwacht. Vorher wurden sie nicht beachtet und ihre Rolle kleingeredet.
Von Phöbe ist nicht die Rede
Selbst heute gibt es diesen Unterschied: Der 3. September ist ein sog. „Gebotener Gedenktag“ – für Gregor. Das bedeutet: In den Gottesdiensten heute wird an Papst Gregor erinnert, zu Beginn wird etwas über sein Leben erzählt, eigene Gebete sind vorgesehen. Von Phöbe ist nicht die Rede. Ich finde, es sollte umgekehrt sein: Phöbe, die frühe Christin, gehört ins Licht gerückt und mir ihr die vergessenen Frauen, die in der Anfangszeit die christlichen Gemeinden gestaltet haben.