Pardon Day – Tag der Vergebung
Heute ist in den USA Pardon Day – der Tag der Vergebung. Er erinnert an Gerald Fords Entscheidung am 8. September 1974. Der amerikanische Präsident begnadigte seinen Vorgänger Richard Nixon, der wegen der Watergate-Affäre zurückgetreten war. Die Entscheidung war umstritten. Es ging um Schuld und Verantwortung – aber auch um politisches Kalkül. Ford wollte einen Schlussstrich ziehen und das Land wieder zusammenführen.
Vergebung im christlichen Glauben
Vergebung ist ein großes Wort. Für den christlichen Glauben ist Vergebung zentral. Es kommt im wichtigsten Gebet vor, im Vater Unser. „Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“. Jesus hat dieses Gebet zuerst gebetet. Er selbst hat Vergebung vorgelebt und den Menschen gezeigt: Gott sieht, was wir falsch gemacht haben. Aber er sagt nicht: Das bist du.
Menschen sind mehr als ihre Fehler
Er legt uns nicht auf unsere Fehler fest. Er sieht auch das, was in uns steckt – und was aus uns noch werden kann. Vergebung ist mehr als ein politischer Schlussstrich. Sie beschreibt eine Lebenshaltung. Damit kann ich andere Menschen anders anschauen: Ja, da ist jemand schuld an einem Autounfall. Oder: Da hat im Job jemand etwas bei der Planung übersehen, und das Projekt ist schiefgegangen.
Der Mensch hinter dem Fehler
Aber da ist immer auch mehr als dieser eine Fehler. Schuld muss nicht das letzte Wort haben. Nicht bei mir selbst noch bei anderen Menschen. Diesen Zuspruch brauchen nicht nur einzelne Menschen. Den braucht auch eine Gesellschaft. Wir leben in einer Zeit, in der Fehler schnell öffentlich werden und lange gespeichert bleiben.
Wenn aus einem Fehler ein Urteil wird
Ein falscher Satz, eine falsche Entscheidung, ein Versagen – und schon wird daraus ein Urteil über einen ganzen Menschen. Am Pardon Day, dem Tag der Vergebung, erinnere ich mich an einen Moment von Vergebung aus meinem Leben.
Ein Fahrradunfall auf dem Bürgersteig
Ich bin vor einmal mit dem Fahrrad auf dem Bürgersteig gefahren. Das hätte ich nicht tun dürfen. Ich habe eine ältere Frau angefahren. Sie fiel hin und hat sich zum Glück nicht schwer verletzt. Sie gab mir ihre Adresse. Ich bin später zu ihr nach Hause gegangen. Wollte nach ihr schauen und nochmals um Entschuldigung bitten. Auf dem Weg hatte ich ziemlich Angst.
Kann Vergebung von Angst befreien?
Was, wenn sie mich verklagt? Das wäre schließlich gerechtfertigt gewesen.
Sie machte die Tür auf. Und nach einer Weile sagte sie: „Ich habe mich nicht schwer verletzt. Es ist okay. Aber bitte: Beachten Sie die Regeln besser.“ Was sie gesagt hat, hat mich von meiner Angst befreit. Sie hat meinen Fehler nicht einfach weggewischt. Sie hat mir gesagt, was ich daraus lernen sollte.
Ein neuer Anfang trotz Schuld
Aber sie hat mich auch nicht auf diesen Fehler festgelegt. Die Erinnerung an sie nehme ich mit in diesen Tag. Und frage mich: Wem könnte ich heute vergeben? Wo könnte ich einen alten Groll loslassen? Und wem könnte ich sagen: Du bist nicht auf deinen Fehler festgelegt. Du darfst neu anfangen.