Muss man berühmt sein?
Es sind nicht immer nur die ganz berühmten Menschen, die in Erinnerung bleiben und Bedeutung haben. In meinem persönlichen Leben sowieso nicht. Heute stehen auch im Namenstagskalender zwei Heilige, die vergleichsweise unbekannt sind: Simon und Judas. Die gibt’s zwar auch als berühmte Namensvetter, aber über Simon den Zelot und Judas Thaddäus wissen wir vergleichsweise wenig: Keine großen Erfolgsgeschichten, keine spektakulären Biografien. Mir kommt da der Gedanke: Man muss nicht berühmt sein, um bedeutungsvoll zu sein.
Prägende Menschen im Leben
Ich glaube, es gibt in jedem Leben Menschen, die prägend waren, ohne dass der Rest der Welt etwas davon mitbekommen hat.
Manche Menschen arbeiten im Hintergrund und tun ihren Dienst und allein dadurch wird etwas angestoßen: In meinem Leben war es eine junge Frau. Sie hat mich während meines Freiwilligen Sozialen Jahres mal gefragt: „Warum studierst du eigentlich nicht Theologie?“ Damals hatte ich gute Gründe, es nicht zu tun. Aber die Frage habe ich nicht vergessen und irgendwann tauchte sie wieder auf, ich habe darüber nachgedacht und schließlich tatsächlich Theologie studiert.
Diese Frau weiß wahrscheinlich gar nichts von dieser Geschichte. Heute, am Fest der eher unspektakulären Jünger Judas Thaddäus und Simon denke ich an sie und möchte auf die vielen anderen aufmerksam machen, die einfach ihr Leben authentisch leben und dadurch andere inspirieren.
Ob sie die Begeisterung weitergetragen haben?
Die beiden aus der Bibel sind bis heute zumindest mit ihrem Namen bekannt, weil sie sich Jesus angeschlossen haben. Sie gehörten zum inneren Kreis der Zwölf. Das bedeutet, sie sind mit Jesus durchs Land gezogen, hatten ihre Familien verlassen und ihren Beruf aufgegeben.
Das waren einschneidende Entscheidungen – nicht nur für sie selbst. Ich kann nur darüber spekulieren, wie ihre Familien das fanden. Vielleicht ist aber der Funke auch übergesprungen, als sie zurückkamen. Vielleicht haben Simon und Judas nach Jesu Tod ihr altes Leben wieder aufgenommen und unauffällig als Handwerker oder auch als Gelehrter weitergelebt.
Ich weiß nicht, ob sie begeistert von der Zeit mit Jesus erzählt haben und ob sie die Begeisterung weitergegeben haben – aber ich stelle es mir vor.
Wie stelle ich es mir vor?
Ich stelle mir vor: Sie sind nach dieser intensiven Zeit mit Jesus, seinem Tod und seiner Auferstehung nach Hause gekommen und haben viel erzählt. Ich glaube, sie haben darüber gesprochen, was es für sie bedeutet. Und ich bin überzeugt davon: Dieses Sprechen von Jesus hat andere Menschen begeistert und Anstöße gegeben. Vielleicht ist der eine oder die andere Christin geworden und vielleicht hat die zweite Generation etwas weitergetragen – vielleicht ohne zu erwähnen, von wem sie den Anstoß bekommen hat.
Ich persönlich möchte gar nicht berühmt sein, aber ich würde mich sehr freuen, wenn ich irgendwann in meinem Leben einem Menschen etwas gesagt hätte, was eine gute Wirkung auf sein Leben gehabt hätte. Dafür feiere ich die beiden Apostel Simon und Judas heute.