hr2 ZUSPRUCH
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Maschke, Andrea

Eine Sendung von
Andrea Maschke,
Katholische Pastoralreferentin in Bad Homburg / Friedrichsdorf

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Mit Gottes Blick

Ich bin gerne draußen unterwegs. Und wenn es auf Wander- oder Radwegen Rastplätze mit Bänken und schöner Aussicht gibt, dann sind das willkommene Stopps. Ab und zu stehen da auch Erklärungstafeln, die etwas zur Besonderheit des Ortes oder zur Geschichte erzählen. Oder auch Hinweise zu Naturphänomenen, Baumarten etc. Wenn ich die Zeit habe, lese ich mir die gerne durch, sie weiten irgendwie meinen Blick, ich sehe dann so einiges, was mir sonst nicht aufgefallen wäre.

Ein Bilderrahmen für die Landschaft

Ein paarmal habe ich auch schon gesehen, dass am Wegrand eine Art Bilderrahmen stand. Wenn man da dann durchsieht, wird der Blick gelenkt: auf einen Teil der Landschaft, ein besonderes Bauwerk wie eine Burg, einen Baum oder einfach hinein ins Grün des Waldes. Eigentlich sieht man durch den Rahmen genau das, was man sowieso, also auch ohne den Rahmen, sehen würde, aber eben bewusster. So eine Art Passepartout. Das kann man ja auch verschieben und z.B. auf einem großen Bild oder Foto den gewünschten Ausschnitt aussuchen.

Dieses Kreuz öffnet den Blick

Im September waren wir mit einer christlichen Gruppe auf Radtour in der Nähe von Schweinfurt. Bei einer unserer Touren haben wir zur Trinkpause auf einem Rastplatz angehalten mit einer Wiese und schönem Blick in die mainfränkische Umgebung. „Helle Lohe“ heißt dieser Platz und liegt in der Nähe von Sennfeld. Rund um die Wiese sind Tafeln, auf denen der Sonnengesang des heiligen Franz von Assisi mit ein paar Gedanken dazu abgedruckt ist, ein Meditationsweg. Und dann steht da ein Kreuz. Ein besonderes Kreuz, nicht massiv aus Holz, sondern fast luftig aus Metall-Leisten. Vielen von uns hat dieses Kreuz gefallen, ohne dass wir genau sagen konnten, wieso. Mir ging es auch so. Später ist mir aufgefallen: Dieses Kreuz versperrt nicht den Blick auf die Landschaft, auf die Felder, die Hügel, die Wälder, den Himmel, den nahen Ort und das Schlösschen auf der Anhöhe, auch nicht den Blick auf die Windräder. Es war eher so wie der Bilderrahmen, man konnte auch durch das Kreuz durchsehen.

Die Welt mit den Augen des Glaubens sehen

Im Nachhinein kommt dieses Kreuz mir wie eine Einladung vor, die Welt mit den Augen des Glaubens zu sehen, gewissermaßen mit dem Blick Gottes. Ich denke da erstmal an Respekt und Aufmerksamkeit, an Dankbarkeit für die Schönheit der Natur und für die Arbeit der Menschen dort auf den Feldern. Und wahrscheinlich sieht Gott auch die Verletzlichkeit der Natur und interessiert sich für das, was die Menschen beschäftigt. Klar kann ich nicht wirklich sagen, wie Gott ist und auf die Welt sieht. Aber ich glaube, Gottes Blick ist barmherziger und wohlwollender als der, mit dem wir uns und andere sonst anschauen, weiter und kreativer, vielleicht auch gelassener.

Wie gut würde mir das im Alltag tun

In meinem oft hektischen und ungeduldigen Alltag würde mir öfters so ein Rastplatz mit einem Kreuz zum Durchschauen guttun.