hr2 ZUSPRUCH
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Reuter, Eva

Eine Sendung von
Eva Reuter,
Katholische Pastoralreferentin, Citypastoral in Mainz und Frauenpastoral im Bistum Mainz

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Eine bunte Gruppe von fünf Holzfiguren steht um einen Globus mit dem Kontinent Afrika. Die Figuren repräsentieren verschiedene Kulturen und Geschlechter, und der Globus symbolisiert die Vielfalt der Welt.

Menschen passen nicht in Schubladen

„Rosa sind die Mädchen, blau die Jungs“ – diese simple Zuordnung ist mir schon oft begegnet. Klar ist es manchmal einfach praktisch, wenn ich kleinen Kindern auf diese Weise klar machen kann, welcher Waschraum für sie gedacht ist. 

Ist die Einteilung wirklich so einfach?

Aber ist es wirklich immer so einfach? Was ist mit den Menschen, die sich nicht so einfach zuordnen lassen? Heute am „Intersex awarness day“ geht es um ganz besondere Menschen: Menschen, die Merkmale aufweisen, die aus medizinischer Sicht weder eindeutig dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zugeordnet werden können. 

Was bedeutet intergeschlechtlich und warum erleben Betroffene Diskriminierung?

Diese Menschen erleben oft Diskriminierung und Herabwürdigung, einfach weil sie in keine Schublade passen. Oft werden die Kinder medizinisch behandelt, wobei Ärzte festlegen, welchem Geschlecht die Kinder angeglichen werden. Dagegen wehren sich Initiativen Betroffener. Sie möchten nicht als „krank“ oder „abnormal“ behandelt werden.

Warum lassen sich Menschen nicht immer eindeutig in Kategorien einteilen?

Es ist wie so oft im Leben eben kompliziert: Schwarz-weiß oder eben rosa-hellblau funktioniert nicht wirklich. 

Wenn ich ehrlich bin, ordne ich im Alltag Menschen auch oft schnell zu: Das ist ein Mann, das ist eine Ausländerin, das ist ein Behinderter. Manchmal werde ich mir auch bei Begegnungen bewusst, wie falsch ich jemanden eingeschätzt hätte. Ich habe zum Beispiel einen netten Polizisten kennengelernt – wenn ich dem vorher nachts im Dunkeln begegnet wäre, mit seinen 1,90 m, dunklem Teint und Tattoos, hätte ich die Straßenseite gewechselt. 

Warum beurteilen wir Menschen so schnell nach ihrem Aussehen?

Ich urteile anhand dessen, was ich sehe. Manchmal wird mir das bewusst und dann erinnere ich mich selbst daran, was Jesus getan hat: Jesus hat immer den Menschen als ganze Person gesehen. Er hat oft einfach gefragt „Was willst du von mir?“ und der hat vorurteilsfrei mit Menschen gesprochen, die schlecht angesehen waren. Er ist auf Menschen zugegangen, ohne über sie zu urteilen und hat so ihr Leben verändert. 

Ich will ja auch selbst nicht in Schubladen gesteckt werden! Zum Beispiel freue ich mich im Urlaub immer, wenn ich nicht sofort als Deutsche erkannt werde, sondern erstmal in einer anderen Sprache angesprochen werde. 

Was bedeutet es für Christen, Menschen nicht vorschnell zu beurteilen?

Ich finde, als Christin muss ich immer wieder neu daran arbeiten, Menschen nicht zu schnell zuzuordnen und in Schubladen zu stecken. Die intergeschlechtlichen Menschen sind eine kleine, besondere Gruppe. Sie gehören deswegen weder in eine der üblichen Schublade „rosa oder hellblau“ noch in eine Kiste „seltsam“. Wenn schon eine Schublade, dann eine mit der Aufschrift „ganz besonders“. Die müsste dann allerdings sehr groß sein, denn in ihr sollte meiner Meinung nach Platz für alle Menschen sein: Jeder Mensch ist etwas ganz Besonderes! 

Ich hoffe, dass mir immer häufiger gelingt, mich nicht von äußeren Merkmalen täuschen zu lassen, sondern Menschen wirklich kennenzulernen. Vielleicht ist das gerade heute ein guter Vorsatz: nicht sofort einordnen, sondern erst einmal anschauen. Nicht beurteilen, sondern kennenlernen.