Mein Garten
Am Abend, wenn die Arbeit des Tages getan ist, gehe ich gerne eine Runde durch den Garten. Bei meinem Rundgang habe ich einen Eimer und eine Rosenschere dabei. Irgendwo gibt es immer verwelkte Blüten oder ausgeblühte Stauden, die ich dann gleich abschneide.
Gartenarbeit am Abend entspannt und machte den Kopf frei
Das empfinde ich nicht als Arbeit. Ich lüfte dabei meinen Kopf aus und lasse die Gedanken schweifen. Ich muss mit niemandem reden, kein Telefon klingelt. Alles, was mich an diesem Tag beschäftigt hat, tritt in den Hintergrund.
In jeder Jahreszeit hält der Garten andere Schätze bereit
Ich tauche ein in Altvertrautes. Der Garten umgibt mich auf andere Weise als Menschen das tun. Ich kenne und bearbeite ihn seit mehr als 30 Jahren. Und doch gibt es immer wieder etwas zu entdecken. Im Frühjahr die ersten leuchtend gelben Winterlinge. Die Rosen, die jetzt nach und nach aufblühen, im Herbst die reifen Äpfel, die geerntet werden müssen.
„Wer einen Garten hat, ist nie allein“
Ein alter Herr, der vor etlichen Jahren aus Kasachstan zugezogen ist, sah mich spät abends noch an meinen Beeten stehen. Ja, - sagt er im Vorbeigehen – wer einen Garten hat, ist niemals einsam. Ich verstand nicht gleich, was er meinte. Aber mein Gefühl sagte mir, dass es stimmt, was er da behauptet.
Ein Zugehörigkeitsgefühl zum Garten Eden
Auf eine stille und sehr sanfte Weise nimmt mich der Garten in die erste Gemeinschaft hinein, in die Gott nach den Geschichten am Anfang der Bibel den Menschen gestellt hat. Zuerst legt Gott einen Garten an in Eden, so wird es erzählt, - mit allem, was dazu gehört: Wasser, Kräuter, Sträucher und Bäume. Und dann setzt er den Menschen hinein, damit er ihn bebaut und bewahrt.
Natur und Geborgenheit
In dieses enge Miteinander von Mensch und Natur nimmt mein Garten mich auf. Jeden Morgen, wenn ich nach dem Aufwachen aus dem Fenster sehe, spüre ich die Geborgenheit, die mich vom Garten her umhüllt. So wie er unser Haus umschließt.
Gartenpflege und Verantwortung: Was wir von der Natur lernen können
Bebauen und bewahren. Gottes Auftrag an den Menschen. Das tue ich hier in meinem Garten. Ich habe ihn über viele Jahre hin gestaltet. Ihm Form gegeben, aber immer wieder dem, was da wächst, auch Freiheiten gelassen. Gleichzeitig aber gestaltet der Garten mich auch. Lässt mich Ansprüche und Wünsche hinterfragen.
Ich akzeptiere inzwischen, dass manches einfach nicht wächst und nicht gedeiht, auch bei größter Mühe. Manchmal aber ernte ich auch unerwartete Früchte und freue mich über dieses Geschenk der Natur. Wunderbare Überraschungen! Mit meinem Garten erlebe ich Wachsen und Absterben - jedes Frühjahr und jeden Herbst. Daran lerne ich auch für mein eigenes Leben und Sterben. So gestaltet die Natur auch mich. Und erfüllt damit ihren Auftrag, dem Leben zu dienen.