Japanische Frühlingsgefühle
Heute ist Frühlingsanfang. Zumindest laut Kalender. Und zwar genau um 15:46 Uhr mitteleuropäischer Zeit.
Der Natur und all ihren Bewohnern ist das aber egal. Schon seit ein paar Wochen entdecke ich die ersten grünen Punkte. Und manche Nachbarn um uns herum kümmern sich schon eifrig um ihre Beete.
Der Kirschblütenbaum in unserem Garten
In unserem Garten haben wir einen großen Baum stehen: eine japanische Kirsche. Das Typische an der Kirsche: Sie hat keine essbaren Früchte, aber besonders viele Blüten! Jedes Jahr zwischen März und Mai bekommt der Baum für ein paar Wochen unzählige leuchtend rosa Blüten.
Ich freue mich schon immer auf diese Zeit und kann mich an dieser Blütenpracht gar nicht satt sehen. Nach ein paar Wochen ist dann Schluss. Die Blüten verwelken und der Baum sieht wieder fast genauso kahl aus wie vorher.
Das Fest der Kirschblüte
In Japan spielt die Kirschblüte eine besondere Rolle. In der Zeit wird traditionell das Kirschblütenfest „Hanami“ gefeiert. Das japanische Wort "Hanami" setzt sich aus "Hana" (Blume) und "mi" (sehen) zusammen. Es bedeutet wörtlich "Blumen betrachten“.
Mit der Familie, Freunden oder Kollegen, leckerem Essen, Musik und Spielen trifft man sich zu einem Picknick. Und zwar möglichst direkt unter Kirschbäumen oder zumindest in der Nähe.
Im Park, am Flussufer oder an anderen dafür ausgezeichneten Orten. Manche Japaner kommen extra schon einige Stunden vorher, um sich die besten Plätze unter der Kirschblüte zu sichern.
Der Kirschblütenbaum steht für das Leben und für die Vergänglichkeit
Das Hanami-Fest leitet den Beginn des Frühlings ein. Die Menschen feiern die Schönheit der Natur, Erneuerung und – neues Leben. Gleichzeitig erinnern sie sich an die Vergänglichkeit der Natur und des Lebens.
Mit seiner Blütenpracht, die nur von kurzer Dauer ist, steht der Kirschblütenbaum also symbolisch für beides: für das Leben und für Vergänglichkeit. Beides liegt nah beieinander und bedingt einander.
Offen sein für Neues
Ich finde, das kann man auch im eigenen Leben entdecken: Manchmal muss etwas vergehen, damit etwas Neues entstehen kann. Und andersherum wird etwas oft dann wertvoll und besonders, wenn es eine begrenzte Dauer hat.
Die Natur und das Leben mit allen Sinnen genießen. Offen und geduldig sein für Neues. Dankbar sein für das, was war. Vielleicht kann ich mich in den kommenden Frühlingswochen ein bisschen von der „Hanami“-Idee anstecken lassen.