hr2 ZUSPRUCH
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von Winterfeld, Charlotte

Eine Sendung von
Charlotte von Winterfeld,
Evangelische Pfarrerin, Frankfurt

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Eine panoramische Ansicht einer Küste mit klarem, blauem Wasser und grünen Uferlinien. Im Hintergrund sind zwei Felseninseln sichtbar, während kleine Boote im Wasser schwimmen. Der Himmel ist hellblau mit sanften Wolken.

Ich bin Ibiza

Im Film „About a boy“ mit Hugh Grant geht es um Will, einen überzeugten Single. Keine Beziehung hält länger als zwei Monate. Mit dieser Einstellung kommt der 38-Jährige bisher gut durchs Leben. 

Ein überzeugter Single im Fokus

Manche sagen ihm: „Niemand ist eine Insel.“ Will widerspricht: „Ich schon. Ich bin Ibiza.“ Damit zeigt er allen, wie cool und unabhängig er ist.

Warum Will keine Bindung eingehen will

Als ihn Freunde fragen, ob er Patenonkel für die frisch geborene Tochter werden will, lehnt er sofort ab: „Ich würde sie bei der Taufe fallen lassen und jeden ihrer Geburtstage vergessen.“

Egoismus oder Selbstschutz: Wie Will zunächst wirkt

Unsympathisch und ziemlich egoistisch kommt Will rüber. Da ist nichts mit Nächstenliebe, Mitgefühl und Verantwortung. Das ändert sich erst, als er zufällig Marcus kennenlernt. Marcus' Mutter war mal mit Will aus, und als es bei ihr zu Hause eskaliert, sucht der Zwölfjährige bei Will Schutz. Der will nichts davon wissen – aber Marcus gibt nicht auf und hängt sich an ihn.

Die Begegnung mit Marcus verändert alles

Ein Zwölfjähriger, der in der Schule Außenseiter ist. Selbstgestrickte Pullis, Mütze, schiefe Ponyfransen, ein Kind, das man leicht übersieht. Will versucht, Marcus loszuwerden. Aber Marcus bleibt hartnäckig und zieht Will einfach mit hinein in sein Leben.

Eine leise Veränderung im Alltag

Der Film zeigt auf charmante Art, wie Nächstenliebe entsteht. Ganz beiläufig. Das klingt nach dem, was Jesus meint: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!“ Lange habe ich gedacht: Was für eine Herausforderung, die Jesus da ausspricht. Ich soll andere Menschen lieben wie mich selbst. Mittlerweile weiß ich: Es ist mindestens genauso schwer, mit sich selbst gnädig zu sein.

Selbstliebe und Nächstenliebe: Gibt es überhaupt einen Unterschied?

Vielleicht ist der Unterschied zwischen Selbstliebe und Nächstenliebe gar nicht so groß. Das merkt man auch im Alltag. Mein Sohn hat gerade das Thema „Haut“ im Biologie-Unterricht. Da sind wir auf ein Erklär-Video aus der Sendung mit der Maus gestoßen. [1] Da geht es um die Frage: Wo ist die Grenze zwischen meinem Körper und der Luft drumherum?

Die Grenze zwischen Körper und Umwelt ist fließend

Wenn man genau hinschaut, ist die Grenze unscharf. Die äußerste Hautschicht besteht aus Aminosäuren. Aminosäuren bestehen aus Molekülen. Moleküle aus Atomen. Deren Elektronen sind ständig in Bewegung. Deshalb ist die Hautgrenze nicht fest. Am Rand gehöre ich schon zur Umwelt – und die Umwelt zu mir.

Sind wir wirklich voneinander getrennt

Das finde ich faszinierend, naturwissenschaftlich und philosophisch. Wir sind keine abgeschlossenen Systeme. Wir rutschen fast automatisch hinein in das Leben der anderen. Und andere in unseres. Vielleicht gelingt mir Nächstenliebe besser, wenn ich weiß: Ich habe gar keine Alternative. Mein Gegenüber ist mir ohnehin nah.

Veränderung durch Beziehung

Diese Erfahrung macht auch Will im Film. Er weiß nicht mehr, wie es angefangen hat. Aber irgendwann mag er den Jungen Marcus. Macht plötzlich Dinge für ihn, die er eigentlich nie tun wollte.

Insel oder Inselkette: Ein neues Bild für menschliche Verbundenheit

In der Schluss-Szene sitzen Will und Marcus in einer fröhlichen Runde. Will sagt: „Jeder Mensch ist eine Insel. Aber manche Menschen gehören offensichtlich zu Inselketten.“ Ein schöner Gedanke: Nächstenliebe als Inselkette, die uns verbindet.


[1] https://www.youtube.com/watch?v=tt0uynvzBUQ