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Reuter, Eva

Eine Sendung von
Eva Reuter,
Katholische Pastoralreferentin, Citypastoral in Mainz und Frauenpastoral im Bistum Mainz

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Die Hagia Sophia erhebt sich majestätisch vor einem klaren blauen Himmel, umgeben von Bäumen. Im Vordergrund spiegelt sich das Gebäude im ruhigen Wasser. Zwei hohe Minarette stehen neben der beeindruckenden Kuppel, während Vögel am Himmel fliegen.

Heilige Weisheit

Vor einigen Jahren war ich in Istanbul. Ich fand die Stadt laut und voll, aber ein Ort hat mich sehr beeindruckt: Die Hagia Sophia. Der Name bedeutet „Heilige Weisheit“ und sie ist schon fast 1500 Jahre alt. Es ist eine ehemals byzantinische Kirche, jetzt Moschee. Sie galt lange als eines der beeindruckendsten Bauwerke der Welt. Ihre gewaltige Kuppel scheint beinahe zu schweben, getragen von Licht und Raum, und wer dort steht, spürt sofort: Dieser Ort will etwas sichtbar machen, was größer ist als das Gebäude selbst.

Im Alten Testament wird sie „Frau Weisheit“ genannt

Heute, am Gedenktag der Heiligen Sophie, muss ich an dieses Gebäude denken. Es will nämlich mehr sein als einfach nur schön oder groß. Es will einen tiefen Zusammenhang deutlich machen: Die Weisheit ist das Urprinzip der Schöpfung. Sie verbindet alles. 

Im Alten Testament wird sie „Frau Weisheit“ genannt. Sie ruft als Gottes Stimme die Menschen dazu auf, in Gottes Ordnung zu leben: gerecht, ehrlich und treu. Sie ist von Beginn der Welt an da.

Sie war schon da, als die Welt erschaffen wurde

Diese Weisheit im älteren Teil der Bibel ist keine abstrakte Idee. Sie ist eine Stimme, die einlädt, die warnt und die Orientierung gibt. Und sie verheißt Glück denen, die sich auf sie einlassen. Nach dem Motto: „Wohl dem Menschen, der Weisheit findet, dem Menschen, der Einsicht erlangt!“ (Sprichwörter 3,13)

Dabei wird sie noch größer gedacht: Sie war schon da, als die Welt erschaffen wurde. Als Theologin fasziniert mich das: Weisheit ist nicht nur ein guter Rat für das Leben, sondern etwas, das tief in Gottes Schöpfung selbst verankert ist.

Es ist fast so, als würde die Weisheit ein Gesicht bekommen

Diese Linie wird im Neuen Testament, dem zweiten Teil der Bibel, aufgenommen und weitergeführt. Dort steht: „… Christus, [ist] Gottes Kraft und Gottes Weisheit.“ (1. Korinther-Brief 1,24) Es ist fast so, als würde die Weisheit ein Gesicht bekommen: In Jesus Christus wird Gottes Weisheit sichtbar und erlebbar. 

Ich denke: Die Hagia Sophia in Istanbul versucht, diese alten biblischen Ideen in Stein und Licht umzusetzen. So wie Frau Weisheit ihre Stimme erhebt, so erhebt sich dieser Raum. So wie die Weisheit von Anfang an bei Gott ist, so weist auch dieser Bau über sich hinaus. 

Der Bau dieser Hagia Sophia fasziniert Menschen

Die Mosaike der Kuppel stellen Christus als Sohn Gottes und Maria als seine Mutter dar. Sie schaffen also die Verbindung zur christlichen Lehre: Die Weisheit bleibt nicht Stimme und nicht nur Raum – sie wird Mensch.

Heute, am Tag der Heiligen Weisheit, denke ich darüber nach: Weisheit ist mehr als Wissen. Sie öffnet den Blick für die Dinge hinter den Dingen. Der Bau der Hagia Sophia fasziniert Menschen, auch wenn sie nur als Tourist:innen kommen. Für mich zeigt das: Ich kann Weisheit spüren und erkennen, auch wenn ich nicht alles weiß – und das schenkt mir heute Hoffnung.