hr2 ZUSPRUCH
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Groß, Uwe

Eine Sendung von

Katholischer Diakon, Pfarrei St. Peter und Paul, Wiesbaden

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Sechs brennende Kerzen stehen auf einer Unterlage, ihre Flammen flackern sanft im Dunkeln. Die Kerzen sind beige und erzeugen eine ruhige, besinnliche Atmosphäre.

Der Blasiussegen

Vor 50 Jahren sind mir als Kind die Mandeln herausoperiert worden. Ich war damals neun Jahre alt und wäre fast verblutet, weil die Wunden nicht heilen konnten. Daran musste ich gestern wieder denken, als ich den Gläubigen in der Kirche den Blasiussegen gegeben habe. Blasius ist nämlich einer der vierzehn Nothelfer, der für Halskrankheiten zuständig ist. Die Menschen sind nach dem Gottesdienst nach vorne gekommen. Ich habe zwei übereinander gekreuzte Kerzen vor jeden gehalten und durch das Licht den Segenssatz gesprochen: „Auf die Fürsprache des heiligen Blasius bewahre dich Gott vor Halskrankheit und allem Bösen.“

Wozu dieser Segen?

Seit meiner Kindheit kenne ich diesen Segen Anfang Februar. Meine Mutter hat mich als Junge auch zum Pfarrer geschickt, um diesen Segen zu empfangen. Er war so etwas wie eine Garantie, dass man gesund bleibt. Natürlich ist der Segen aber keine Garantie dafür, dass ich nicht krank werde oder wie es im zweiten Teil des Gebets heißt: dass mir nichts Böses zustößt. Menschen, die so einen Segen empfangen, sind weder immun gegen Krankheiten noch gegen alles, was uns an Schrecklichem im Leben zustoßen kann. Wozu dann dieser Segen?

Er gibt mir Mut, aus schwierigen Situationen herauszukommen

Mir sagt dieser Segen: Ich kann aus schwierigen Situationen wieder herauskommen. Er gibt mir Hoffnung, nach Krankheiten wieder gesund zu werden, nach schlechten Lebenserfahrungen wieder aufstehen und mit neuem Mut weitergehen zu können. Das habe ich ja schon als Kind erfahren, als ich fast verblutet wäre. 

Hoffnung in scheinbar hoffnungsloser Lage 

Die Hoffnung behalten, wenn Dinge ganz hoffnungslos erschienen sind, das habe ich aber auch schon oft in meinem Leben erlebt: als es wieder aufwärts ging nach der Trennung von einem lieben Menschen, als es nach einem Streit dann doch wieder zu einer Versöhnung gekommen ist, als ich ein neues Ziel gefunden habe, das mir Kraft gegeben hat.

Die christlichen Feste übers Jahr stärken diese Hoffnung

Durch meinen Glauben ist die Hoffnung stark ausgebildet. Die Hoffnung, dass sich Dinge zum Guten verändern können. Für mich sind die meisten der christlichen Feste übers Jahr eigentliche Feste, die mich an die Hoffnung erinnern: Weihnachten: Hoffnung auf Familie und Gemeinschaft. Aschermittwoch: Hoffnung auf Veränderung schlechter Lebensgewohnheiten. Ostern: Hoffnung auf ein Leben über den Tod hinaus. Pfingsten: Hoffnung auf neue Energie. Ja, und der Blasiussegen ist eben die Hoffnung, gesund zu werden, wenn mich mal eine Halskrankheit oder Schlimmeres erwischt.