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Bonacker, Dr. Marco

Eine Sendung von

Katholischer Leiter der Abteilung Bildung und Kultur im Bischöflichen Generalvikariat Fulda

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Bunte Papier-Regenschirme

Das katholische Japan

Im letzten Jahr konnte ich mir mit einem guten Freund einen lang gehegten Traum erfüllen: Eine Japan-Reise. Das Land und seine Kultur hatten mich immer schon fasziniert. Und tatsächlich zeigten sich Land und Leute während der Tage von der besten Seite. Von Tokyo über den Fuji, die Kaiserstadt Kyoto, bis nach Nagasaki gab es unzählige unvergessliche Begegnungen. Es war eine schöne Erfahrung, in ein Land zu reisen, in dem die Züge pünktlich fahren. Aber eigentlich interessierte uns das religiöse Japan: seine shintoistischen Schreine und seine buddhistischen Tempel.

Japan zwischen traditioneller Gesellschaft und einer technisierten Hypermoderne - diese Spannung ist für viele Menschen reizvoll. Dass aber auch der christliche Glaube ein Teil der japanischen Geschichte ist, wissen nur die wenigsten. Und so war es für uns besonders spannend, auch diesen Spuren nachzugehen. 

Katholische Mission in Japan

Als 1549 der Jesuit und Missionar Franz Xaver seinen Fuß auf die japanischen Inseln setzte, konnte wohl keiner ahnen, dass nur zwei Jahrzehnte später Hunderttausende Japaner zum katholischen Glauben finden würden. Gerade im Süden Japans, auf der Insel Kyushu, entwickelte sich unter dem Schutz der ebenfalls christlich gewordenen Regionalfürsten, der Daimyo, eine lebendige und missionarische japanische Kirche, die schnell wuchs und immer mehr Anhänger fanden. 

Es gab katholische Samurais ebenso wie christliche Bauern. Zentrum des Glaubens wurde Nagasaki, das „japanische Rom“, das auch Anlaufpunkt portugiesischer Handelsschiffe war. Der Glaube verquickte sich zwar immer auch mit wirtschaftlichen Interessen, aber die Frömmigkeit und der wirkliche Glaube konnten davon nicht kontaminiert werden. 

Auch als die Unterdrückung des Christentums Ende des 16. Jahrhunderts begann und ab 1638 endgültig zur Ausweisung aller Missionare und zum Verbot des Christentums führte, blieben Tausende Japaner dem Glauben treu. Der Shogun, der zentrale Herrscher Japans und eigentliche Regent unter dem gottgleichen Kaiser, hatte sich gegen das Christentum entschieden; zu sehr hätte es die traditionelle und politische Ordnung Japans infrage gestellt. So setzte eine grausame Christenverfolgung ein, die in den 26 Märtyrern von Nagasaki ein frühes und grausames Beispiel fand.

Das Wunder von Nagasaki

Erst Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Japan auf internationalen Druck hin wieder für Missionare geöffnet und es konnten wieder Kirchen gebaut werden. Unter einer Marienstatue in der von französischen Missionaren gebauten Oura-Kirche in Nagasaki fand sich am 17. März 1865 eine kleine Gruppe von Japanern ein, die einen Priester sprechen wollten. Im Gespräch gaben sie sich als Christen zu erkennen, die ihren Glauben über 200 Jahre im Verborgenen weitergegeben hatten. Sie hatten ihre Kinder getauft und waren täglich ihren Gebeten nachgekommen. Gegen alle Widerstände hatten sie den katholischen Glauben bewahrt - in der Folge gaben sich Zehntausende verborgenen Christen zu erkennen. 

Für die französischen Missionare war das wie ein Wunder. Heute gibt es über 400.000 katholische Japaner und auch wenn das prozentual ein geringer Anteil an der Gesamtbevölkerung ist, betreiben Orden und Bistümer zahlreiche Schulen und soziale Einrichtungen und sind dadurch ein Anker der Nächstenliebe und der Bildung in der komplexen japanischen Gesellschaft - eben zwischen Tradition und Hypermoderne. Die japanischen Katholiken und ihre Glaubenstreue zeigen mir, wie die christliche Heilsbotschaft auch gegen alle Widerstände nachhaltige Wurzeln schlägt - auch wenn Saat und Ernte manchmal Hunderte Jahre auseinanderliegen!