hr2 ZUSPRUCH
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Kohl, Rüdiger

Eine Sendung von
Rüdiger Kohl,
Evangelischer Pfarrer, Theologischer Referent der Stellvertretenden Kirchenpräsidentin der EKHN

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Ein lächelnder älterer Mann in einem blauen Hemd steht vor einer großen Uhr und zeigt auf sie. Im Hintergrund sind Arbeitszimmer und Werkzeuge zu sehen, die auf eine handwerkliche Tätigkeit hinweisen.

Bares für Rares- was wirklich zählt

Mein zehnjähriger Sohn liebt die Fernsehsendung Bares für Rares. Er hat sie oft mit seinem Opa geschaut, wenn er bei ihm zu Besuch war. Neulich haben wir beide eine Folge geschaut. Für mich war es die erste Begegnung. Mein Sohn dagegen kennt inzwischen die Händler und Expertinnen fast alle beim Namen.

Alte Schätze und ihre Geschichten

Eigentlich geht es dort um alte Gegenstände, die Leute verkaufen wollen. Um Porzellan, Schmuck, Gemälde oder altes Spielzeug. Die Experten erklären geduldig, woran man Qualität erkennt, welche Geschichte hinter einem Objekt steckt und warum etwas wertvoll ist – oder eben doch nicht. Aber während ich zuschaue, habe ich den Eindruck: Die eigentlichen Schätze sind gar nicht die Dinge. Sondern die Menschen.

Menschen erzählen ihre Lebensgeschichte

Denn fast jeder Gegenstand bringt eine Geschichte mit. Da erzählt jemand von der Großmutter, die diese Brosche ein Leben lang getragen hat. Von einem Vater, der eine Uhr gehütet hat. Von einer Reise. Von einer Liebe. Von einem Abschied. Natürlich wird am Ende gehandelt. Aber für einen Moment zählt etwas anderes: Da hört jemand aufmerksam zu. Da interessiert sich jemand für die Geschichte eines Menschen. Das alte Ding auf dem Tisch bekommt Bedeutung, weil es mit einem Leben verbunden ist.

Respektvolles Miteinander in hektischer Zeit

Vielleicht ist genau das das Geheimnis dieser Sendung. In einer Zeit, in der vieles laut, schnell und aufgeregt ist, wird hier genau hingeschaut. Menschen lassen sich ausreden. Fachleute erklären etwas mit Leidenschaft. Niemand wird ausgelacht, wenn sich eine vermeintlich kostbare Rarität am Ende als Massenware entpuppt. Es geht höflich zu. Freundlich. Vielleicht empfinden viele Menschen das deshalb als tröstlich. Ungewöhnlich viele Kinder und Jugendliche schauen diese Sendung gerne.

Gottes Blick auf den Menschen

Es könnte dran liegen, dass hier genau hingesehen wird. Das kennt auch die Bibel. Da geht es nicht um Gegenstände, sondern um den Menschen. Da steht, wie Gott jeden einzelnen Menschen ansieht. Gott verspricht (Jesaja 43,4): „Du bist kostbar und wertvoll für mich, und ich habe dich lieb." Ich glaube, Gott kennt sich aus mit Menschen. Ich denke: Auch ich müsste meine Mitmenschen öfter mit den Augen Gottes anschauen: nicht nur den ersten Eindruck sehen, sondern genau hinsehen.

Die Geschichte hinter jedem Menschen

Wenn es passt, auch fragen: Wo kommst du her? Welche Geschichte trägst du mit dir? Was hat dich geprägt? Was hat dich kostbar gemacht? Oder auch vorsichtig: Willst du mir erzählen, woher deine Schrammen kommen? Da beginnt für mich die Würde des Menschen: in einem Blick, der sagt: Ich sehe dich. Du bist unendlich kostbar. Und ich ahne, dass in dir mehr steckt, als man auf den ersten Blick erkennen kann. Mein Sohn wird sicher bald wieder Bares für Rares einschalten. Ich schaue dann mal wieder mit. Weil ich etwas über die alten Dinge lernen kann. Und noch mehr über die Menschen.