Auf die letzte Minute
„Gäbe es die letzte Minute nicht, so würde niemals etwas fertig.“
Ein toller Satz von Mark Twain! Ich fühle mich dabei direkt ertappt und muss schmunzeln. Der Mann hatte ja einen ganz eigenen Sinn für Humor: spitz, selbstironisch und oft mit einem Augenzwinkern. Ich frage mich: War Mark Twain selbst auch so einer, der alles auf den letzten Drücker machte? Vielleicht saß er nachts noch am Schreibtisch, mit Tinte an den Fingern und dachte sich: Ach, nur noch zehn Seiten, die Deadline ist ja erst morgen.
Die Deadline ist ja erst morgen
Denn ganz ehrlich: So ein Kandidat bin ich auch! Schon in der Schule habe ich die Hausaufgaben spät in der Nacht gemacht. Im Studium die Abgabe um 23:59 Uhr auch wirklich ausgereizt und trotz 6 Wochen Zeit für die Hausarbeit erst in der letzten Woche so richtig angefangen. Ich weiß auch, woran das in Teilen liegt: Mal hier, mal dort etwas machen, helfen, organisieren. Am liebsten fünfzig Dinge gleichzeitig bearbeiten und dann, wenn es drauf ankommt, feststellen: Mist, da war ja noch die Deadline! Zack, Nachtschicht, Überstunden und eine Menge Kaffee. Eigentlich hatte ich das alles anders geplant.
Ist das einfach mein Alltag?
Ich plane zwar schon oft, aber dann geraten die Pläne ins Wanken. Da fährt die Bahn nicht, oder ich verpasse sie. Ein Anruf kommt dazwischen, und schon verschiebt sich der ganze Tag. Manchmal scheint das Leben aus lauter „letzten Minuten“ zu bestehen. Und dann frage ich mich: Ist das einfach mein Alltag oder liegt darin vielleicht sogar eine gewisse Logik des Lebens? Es ist ja so viel ungewiss aktuell. Die gesellschaftliche und geopolitische Lage lassen mich manchmal denken, ich arbeite gefühlt immer in der letzten Minute.
Dann geschieht plötzlich Bewegung
Vielleicht wusste Mark Twain genau das. Dass wir Menschen zwar gern planen, strukturieren, abwägen, das Leben aber selten brav unseren Zeitplänen folgt. Ein bisschen Chaos gehört wohl dazu. Und manchmal ist es gerade dieses Chaos, aus dem etwas Neues entsteht. Wenn die letzte Minute mich zwingt, zu entscheiden, kreativ zu werden, loszulassen, dann geschieht plötzlich Bewegung. Dinge fügen sich, manchmal ganz anders als gedacht.
“Da hat der heilige Geist seine Finger im Spiel”
Für mich ist klar: Da hat der heilige Geist seine Finger im Spiel. Er gibt mir manchmal eben in dieser letzten Minute, die richtige Eingebung. Das kann ich aber nicht erzwingen. Ich kenne leider auch viele, die ihre Abschlussarbeit ein zweites Mal schreiben mussten. Da hat dann vielleicht diese Eingebung gefehlt.
Das spart mir den Stress und die Nachtschicht
Wenn ich also wieder einmal kurz vor knapp etwas fertigstelle, denke ich an Twain. Vielleicht war auch bei ihm manches Werk erst in letzter Sekunde gelungen. Aber es lohnt sich natürlich so zu planen, dass der Heilige Geist und diese Eingebung kurz vor knapp gar nicht erst nötig sind. Das spart mir den Stress und die Nachtschicht. Und die letzte Minute darf dann auch ein paar Tage vor der Deadline liegen.