hr2 ZUSPRUCH
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Woernle, Hannah

Eine Sendung von

Evangelische Pfarrerin in Alsbach/Bergstraße

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Ein kleines Kind in einem silbernen Astronautenanzug greift nach schwebenden Planeten in einem Raum. Die Eltern betrachten es lächelnd. Die Atmosphäre ist freundlich und spielerisch, ein Moment des gemeinsamen Entdeckens der Welt des Weltraums.

Anleitung für die Zukunft

„Manchmal frage ich mich: in was für eine Welt haben wir unsere Kinder eigentlich hineingeboren?“ Das sagt eine Mutter in der Krabbelgruppe, die ich mit meinem Sohn besuche. Das Gespräch wird auf einmal ernst. 

In welcher Welt wachsen unsere Kinder auf?

Wir Eltern kennen alle diese Sorge: Dass wir unsere Kinder nicht beschützen können vor den Krisen dieser Welt. Nicht heute und noch viel weniger in 20 Jahren. Ständig hören wir düstere Prognosen. Was können wir unseren Kindern da für die Zukunft mitgeben?

Hoffnung aus einem Buch 

Ich habe ein Buch gelesen, das mir da hilft. Es heißt: „Zukunft. Eine Bedienungsanleitung“[1]. Ein gewagter Titel. Die Zukunftsforscherin Florence Gaub hat es geschrieben. Eigentlich berät sie Regierungen oder die NATO zu verschiedenen Szenarien, die einmal eintreten könnten. Doch ihre Bedienungsanleitung für die Zukunft soll für alle da sein. 

Die Superkraft der Vorstellung

Denn in ihren Augen hat jeder Mensch eine Superkraft – nämlich: Die Vorstellungskraft. Wir können uns die Zukunft ausmalen und sie dadurch gestalten.[2] Zumindest dann, wenn wir diese Superkraft bewusst einsetzen. In Gedanken können wir uns viele verschiedene Varianten der Zukunft ausmalen. Fast tagträumerisch. Wer bei der düstersten Prognose stehenbleibt, der ist vor Angst gelähmt. Wer aber eine positive Zukunftsvision hat, der tut auch mehr dafür, dass sie Wirklichkeit wird.[3] Man muss sich nur fragen: Was kann ich heute tun, um diese Zukunft wahrscheinlicher zu machen? Daher sagt die Autorin: Die Zukunft passiert uns nicht einfach, wir können sie gestalten. 

Wie Kinder Hoffnung lernen können

Was für eine optimistische Haltung! Nicht nur für mich. Auch mein Kind könnte seine Superkraft entdecken und die Zukunft bewusst mitgestalten. Wenn es zum Beispiel davon träumt, dass die Welt ein friedlicherer Ort wird und deswegen im Kleinen darauf achtet, Konflikte sachlich zu klären. Mir macht das Hoffnung: Die Kinder von heute können mit dafür sorgen, dass die Zukunft besser wird, als viele es befürchten.

Zukunft liegt nicht allein in unserer Hand

Gleichzeitig ahne ich: die Kinder werden trotzdem die Erfahrung machen: Die Zukunft liegt nicht allein in meiner Hand und manche Krise in dieser Welt wird bleiben.

Gott geht mit in die Zukunft

Trotzdem will ich positiv nach vorne schauen – auch für meinen Sohn. Mir hilft da mein Glaube. Christinnen und Christen haben immer wieder erlebt: Sie müssen nicht alleine in die Zukunft gehen. Gott ist dabei. Auch, wenn Pläne scheitern und Zukunftsvisionen platzen. Das verspricht Jesus, als seine Anhänge endgültig Abschied nehmen müssen. Er sagt: „Ich bin bei euch, jeden Tag, bis zum Ende der Welt.“ (Mt. 28,20)

Wie Eltern Hoffnung weitergeben

Ich muss wieder an den Satz aus der Krabbelgruppe denken: „Manchmal frage ich mich, in was für eine Welt wir unsere Kinder eigentlich hineingeboren haben.“ Vielleicht gelingt es mir und den anderen Eltern, unseren Kindern das Grundvertrauen zu vermitteln: Du bist zwar in eine komplizierte Welt hineingeboren. Aber du kannst sie mitgestalten. Denn die Zukunft passiert dir nicht einfach, du bist Teil von ihr. Und auch, wenn alles anders kommt, als du es gehofft hast: Du bist damit nicht alleine. Gott ist bei dir, jeden Tag, bis zum Ende der Welt.


[1] Gaub, Florence: Zukunft. Eine Bedienungsanleitung, München 2023.

[2] Vgl. a.a.O., 7f.

[3] Vgl. a.a.O., 14.