An die Vergessenen denken
Jetzt im Oktober ist nicht die Zeit für Vergissmeinnicht-Blumen – oder gerade doch? Beim Aufräumen ist mir ein Samentütchen in die Hände gefallen. Tatsächlich ist jetzt gerade nicht die beste Zeit zum Säen, aber das Tütchen erinnert mich daran: Ich sollte niemanden vergessen!
Traurig: Wenn ein Mensch nicht vermisst wird
Manchmal fallen mir Menschen und Begegnungen ein, an die ich lange nicht gedacht habe – meistens ausgelöst durch ein kleines Ereignis in meinem Alltag. Oft schicke ich dann einen Gruß in Gedanken oder als Textnachricht: „Hab gerade an dich gedacht – Liebe Grüße“.
Aber was ist mit Menschen, die solche Grüße nicht bekommen, weil niemand an sie denkt? Ich finde es immer wieder traurig, wenn ich lese, dass Menschen erst Tage nach ihrem Tod gefunden wurden, weil niemand sie vermisst hat.
Vergissmeinnicht vor jeder Haustür
Ich denke mir: Eigentlich sollte vor jeder Tür ein Blumentopf mit Vergissmeinnicht stehen – als Erinnerung an alle, die vorbeigehen. Als Aufforderung, mal zu klingeln und einfach nur zu fragen, wie’s so geht.
Klar, das ist in unserer Gesellschaft eher unüblich – aber warum eigentlich? Jemandem einen guten Tag wünschen, ein kurzes Schwätzchen an der offenen Tür schaffen eine kurze Verbindung und jemand fühlt sich nicht vergessen.
Es geht darum, andere Menschen wahrzunehmen als Mensch. Auch wenn sie alt sind oder krank, wenn sie nicht mehr aus dem Haus gehen können. Vielleicht sogar, wenn sie verlernt haben, freundlich mit anderen zu sprechen.
Gott vergisst niemanden
Als Christin bin ich überzeugt, niemand ist ganz vergessen: Gott vergisst niemanden. Er hat jeden einzelnen Namen in seine Hand geschrieben – so steht es in der Bibel (Jesaja 49,16). Jesus hat es auch immer wieder gezeigt: Er sieht auch die Kleinen, die von den anderen an den Rand gedrängt werden.
Aber wenn ich ehrlich bin: Selbst mir als gläubiger Frau reicht das im Alltag nicht immer. Ich wünsche mir den Kontakt zu Menschen im Hier und Jetzt. Ich freue mich, wenn ich erlebe: Da hat jemand an mich gedacht. Das muss nichts Großes sein: Ein freundlicher Gruß oder ein lustiges Foto auf Whatsapp freuen mich.
Was nehme ich mir jetzt vor?
Ich vermute, das geht eigentlich allen Menschen so. Und so nehme ich mir heute vor, mal wieder an Menschen zu denken, an die ich schon lange nicht mehr gedacht habe. Vielleicht schreib ich ihnen heute eine kurze Nachricht – vielleicht mit einem Bild von einer Vergissmeinnicht-Blume.
Und ich nehme mir vor, auch an all die unbekannten anderen zu denken. Als Christin bin ich von der Kraft des Gebets überzeugt. Ich glaube, wenn ich bete, entfalten die guten Gedanken und die Segenswünsche irgendwie ihre Kraft. Gott hört mein Gebet.
Ich hoffe, er schickt diesen einsamen Menschen ein Zeichen. Sie sollen spüren: Ich bin nicht ganz vergessen. Vielleicht kommt ja sogar ein Nachbar auf die Idee, mal bei einer verschlossenen Tür zu klingeln und ein Vergissmeinnicht vorbeizubringen.