hr2 ZUSPRUCH
hr2
Groß, Uwe

Eine Sendung von
Uwe Groß,
Katholischer Diakon, Pfarrei St. Peter und Paul, Wiesbaden

00:00
00:00
Ein majestätisches Schloss liegt auf einem Hügel, umgeben von bunten Bäumen und einer grünen Landschaft. Die Architektur ist als märchenhaft beschrieben, mit Türmen und Zinnen, und im Hintergrund erstrecken sich sanfte Hügel und ein blauer Himmel.

Alltags-Paradiese

„Es ist notwendig, sich Paradiese zu schaffen, poetische Zufluchtsorte, wo man auf einige Zeit die schauderhafte Zeit, in der wir leben, vergessen kann.“ Diesen Satz soll einmal einer gesagt haben, den viele auch noch heute für einen verrückten Spinner aus den Zeiten der Monarchie halten: König Ludwig II. von Bayern. Morgen vor 140 Jahren ist er im Starnberger See ertrunken. Für mich ist der „Kini“, wie er in Bayern genannt wird, ein Mensch, der anderen Schönheit und Ästhetik schenken wollte.

König Ludwig II. wollte lieber in die Kunst investieren als in Kriege

Schon der junge König wollte zu keinem der damals anstehenden Kriege aufbrechen, gegen die Preußen oder später gegen Frankreich. Ludwig wollte das Geld aus Bayern lieber in Schlösser, Gärten, Theater und Musiker investieren. Vor allem natürlich in die Musik von Richard Wagner, den er großzügig finanziell unterstützt hat. Ohne diese Unterstützung wäre Wagner wahrscheinlich nie so populär geworden. Die vier Schlösser und Parkanlagen, die König Ludwig errichten ließ, sind noch heute Anziehungsort für Millionen von Menschen in jedem Jahr. Ich bin auch immer mal wieder hingefahren und liebe diese Orte der Schönheit. Das bekannteste, Schloss Neuschwanstein, gilt zwar manchen als kitschig, für mich ist es einfach eine schöne Burg.

Warum brauchen Menschen Orte der Schönheit und des Rückzugs?

„Es ist notwendig, sich Paradiese zu schaffen, poetische Zufluchtsorte, wo man auf einige Zeit die schauderhafte Zeit, in der wir leben, vergessen kann.“ Ich kann König Ludwig gut in diesem Ausspruch verstehen. Ich suche selbst oft genug Zuflucht von den täglichen Schreckensnachrichten in schöner Musik, Oper, Literatur und guten Filmen. Für mich ist das dann wie ein Rückzug ins Paradies, in eine Welt des Schönen und Guten.

Wie können Kunst und Musik neue Kraft schenken?

Natürlich sehe ich als Seelsorger auch viele Nöte und arbeite daran, sie zu lindern. Aber manchmal wird mir alles zu viel und dann fliehe ich in meine Zufluchtsorte der Kunst. Das gibt mir immer wieder Kraft. Und gerade auch in Zeiten, in denen ich traurig bin, finde ich in der Musik neue Hoffnung. Ich glaube, es ist manchmal wichtig, ins Paradies zu fliehen.