Royales Morgenblau
Wann geht heute eigentlich die Sonne auf? Wenn ich in den einschlägigen Tabellen nachschaue, kann ich die Frage sachlich beantworten: Am 24. Dezember geht in Frankfurt am Main die Sonne um 8 Uhr 22 Minuten und 38 Sekunden auf. Die Dämmerung setzt um 7:44 Uhr ein.
Aber ich frage mich, ob das alle spüren werden. Mir geht ein alter Bibeltext durch den Kopf. Dort heißt es: „Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht; über denen, die im Land der Finsternis wohnen, strahlt ein Licht auf.“ (Jesaja 9,1) Es ist ein alter Verheißungstext, der die Zuversicht ausdrückt: Es bleibt nicht immer dunkel. In jeder schwierigen oder scheinbar ausweglosen Situation geht die Sonne auf.
Die Sonne geht auf, obwohl für mich die Zeit stillsteht
Manchmal finde ich das fast zu schwer zu ertragen: Wenn in meinem Leben etwas wirklich Schlimmes passiert und die Vögel singen weiter, als sei nichts geschehen. Die Sonne geht auf, obwohl für mich die Zeit stillsteht. In einer solchen Situation habe ich es schon als Zumutung empfunden, dass die Sonne einfach aufgeht.
An anderen Tagen ist es mir fast gleichgültig. Ich bin mit mir und meinen Aufgaben beschäftigt und nehme die Helligkeit draußen nur am Rande wahr. Aber wenn es besonders schön draußen ist, dann freue ich mich und bin dankbar, dass die Sonne heute aufgegangen ist und ich es erleben darf.
Manche haben sehnsüchtig darauf gewartet
Heute an Heiligabend wird die Sonne auch aufgehen – vielleicht hinter Hochnebel oder Wolke, aber sie wird es tun. Und ganz unabhängig davon, wer es bemerkt, wird sie die Nacht in Tag verwandeln. Manche haben vielleicht sehnsüchtig darauf gewartet, anderen ist es egal oder sie fürchten sich sogar vor dem neuen Tag und seinen Herausforderungen.
Das Lied über die Menschen, die im Dunkeln sitzen
An die denke ich heute besonders und mir fällt dabei das Lied des Sängers Bosse ein. Der singt in seinem Lied „Royales Morgenblau“ über die Menschen, die im Dunkeln sitzen, die ein schweres Schicksal haben oder in einer schwierigen Situation stecken. Im Refrain heißt es:
Für euch soll's extra schein'n
Fulminantes Morgenblau, royales Morgenblau
Für alle, die im Dunkeln steh'n, sieht das Helle heller aus
Fulminantes Morgenblau kneift dir in den Augen
Für alle, die am hoffen sind, gibt der Horizont ein'n aus“
Für sie soll es heute an Heiligabend extra hell werden
Für mich klingen die Texte zusammen: dieses moderne Lied und der uralte Bibeltext. Sie verbinden sich für mich zu einer Bitte für den neuen Tag und für alle, deren Dunkelheiten ich nicht kenne. Die Sonne soll für sie heute besonders aufgehen – gerade an Heiligabend, wenn ich als Christin feiere: Gott kommt in seinem Sohn auf die Welt.
In Jesus erfüllt sich für mich als Christin die uralte Prophezeiung: „Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht; über denen, die im Land der Finsternis wohnen, strahlt ein Licht auf.“ (Jesaja 9,1) Deshalb wünsche ich mir: Für die mit Sorgen und Zweifeln soll es heut an Heiligabend extra hell werden!