Zwischen Waschmaschine und Wäscheleine
„Könnte ich mal deine Waschmaschine benutzen?“, hat mich meine Schwägerin neulich gefragt. Ich musste kurz schmunzeln. „Klar“, habe ich gesagt. Doch ein bisschen gestaunt habe ich schon, als wenig später eine ganze Ladung verschwitzter Fußballtrikots bei mir landete. Der Geruch von Gras und sportlicher Höchstleistung lag in der Luft: 60 Grad, mindestens.
„Ich schaffe das mit meiner Maschine einfach nicht alles“, sagte sie. Zwei der Fußballmamas sind krank, und jetzt teilen wir uns die Wäsche.
Stille Helfer im Alltag
Ich stellte mir das vor: etwa 15 Teams, Woche für Woche Training, Spiele und am Ende all die Schmutzwäsche. Und mittendrin meine Schwägerin. Schon seit Jahren engagiert sie sich im Fußballverein ihres Sohnes. Sie fährt, organisiert, feuert an, tröstet und jubelt, wenn ein Tor fällt. Was für eine tolle Frau.
Aber auch: Was für wunderbare Menschen in all den unterschiedlichsten Vereinen. Menschen, die einfach anpacken. Die ihre Zeit schenken, ihre Kraft, ihre Geduld.
Denn es ist ja nicht nur der Fußballverein. Es sind so viele Orte in unserem Alltag, die genau von solchen Menschen leben. Die Ehrenamtlichen, die Bürgerbusse fahren, die Deutschkurse geben für Geflüchtete, die Kranke besuchen. Oder die, die Senioren geduldig erklären, wie ein Smartphone funktioniert.
Wenn kleine Gesten Großes bewirken
Wenn man genau hinschaut, ist unsere Gesellschaft durchzogen von diesen leisen, oft unsichtbaren Gesten. Und vielleicht funktioniert sie genau deshalb. Weil es Menschen gibt, die nicht fragen: „Was bekomme ich dafür?“, sondern die einfach handeln. In der Bibel heißt es: Geben ist seliger als nehmen. Das ist eine wahre Aussage.
Während ich die Trikots auf die Leine hänge, denke ich darüber nach. Jeder Handgriff wird plötzlich zu etwas Größerem. Zu einem Beitrag. Zu einem Miteinander. Und ich merke: Es braucht gar nicht immer die großen Taten. Manchmal reicht eine Waschmaschine. „Ich kann übrigens noch ein paar Waschgänge übernehmen“, schreibe ich meiner Schwägerin. „Bring mir einfach alles vorbei.“
Leise Orte, an denen Gott spürbar wir
Unterstützung ist manchmal ganz einfach. Und gleichzeitig kann sie die Welt ein kleines Stück heller machen. Und vielleicht ist genau das ein leiser Ort, an dem Gott spürbar wird. Nicht laut und nicht vereinnahmend. Sondern mitten im Alltag. Zwischen Waschmaschine und Wäscheleine. Dort, wo Menschen füreinander da sind.