hr1 ZUSPRUCH
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Baumann, Pia

Eine Sendung von
Pia Baumann,
Evangelische Pfarrerin, Frankfurt

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Ein Fahrradfahrer fährt an einem Kiosk mit der Aufschrift "ÖDI Kiosk" und "fritz-kola" vorbei. Im Hintergrund sitzen Menschen an Tischen unter großen Bäumen. Die Szene vermittelt eine lebendige Atmosphäre eines Stadtteils.

Treffpunkt Wasserhäuschen

Anmoderation: Heute (12. September 2026)  ist Wasserhäuschen- oder Wasserhäusje-Tag in Frankfurt am Main. Viele der Häuschen feiern, was sie schon immer waren: Treffpunkte in der Nachbarschaft. Trinkhallen, Büdchen, Kioske: anderswo heißen sie anders, die Sache ist dieselbe. Pfarrerin Pia Baumann aus Frankfurt erzählt, was ihr Wasserhäuschen um die Ecke mit ihr macht.

Wenn ich am Wochenende spontan Lust auf ein Eis habe, gehe ich zum Wasserhäuschen an der Ecke. Hin und wieder nehme ich eine kleine Tüte Süßigkeiten mit. Ein paar saure Zungen für meine Töchter und Lakritz-Schnecken für mich. Zur Not bekäme ich sonntags auch noch ein Stück Butter oder zwei Rollen Klopapier. Das ist sehr praktisch und ich kenne das nicht nur aus Frankfurt. Ich habe lange im Ruhrgebiet gelebt und auch dort geht man zur Bude. Manche sagen Trinkhalle dazu. Oder Kiosk.

Mehr als ein Ort zum Einkaufen

Solche Orte gibt es schon immer und überall. Früher war es der Brunnen im Dorf. Heute kann es der Bäcker um die Ecke sein oder die Kneipe an der Straße. Bei mir ist es das klassische Wasserhäuschen. Das Gute daran: Es gibt nicht nur Dinge des täglichen Bedarfs, hier treffe ich Hinz und Kunz und gelegentlich die halbe Nachbarschaft. Menschen kommen auf ein Bier vorbei, Kinder holen sich beim Inlineskaten eine Limo und andere machen kurz eine Pause von ihrer Fahrradtour.

Wo Nachbarschaft ganz selbstverständlich geschieht

Der Pächter des Wasserhäuschens sagt von sich selbst: „Ich bin Therapeut, Getränkeverkäufer und Paketannahmestelle in einem." Nebenbei wird ein bisschen geschwatzt. Über das Wetter, die Bundesligaergebnisse und was sonst so los ist in der Gegend.

Viele, die hier am Wochenende was kaufen, kenne ich. Zumindest vom Sehen. Sie sind keine Freunde, nicht mal gute Bekannte. Aber es sind Menschen, die ich grüße und mit denen ich einen kurzen Augenblick meines Lebens teile. Ich mag diese losen Begegnungen und diesen Ort in meiner Nachbarschaft.

Kleine Begegnungen, die guttun

Ich muss mich nicht verabreden, muss hier keine Freundschaften schließen. Ein Nicken reicht, ein kurzer Gruß und ein paar freundliche Worte. Immer wieder merke ich, wie gut mir das tut: Für einen Moment sehe ich jemanden. Und werde selbst gesehen.