Tränen in der Kapelle
Es passiert mir nicht oft, dass ich in eine Kirche hineinkomme – und mir kommen die Tränen. Vor ein paar Wochen ging mir das so. Ich war zu einer Konferenz in Aachen. Und wir sind mit den Kolleginnen dort in die so genannte Kind-Jesu-Kapelle gegangen. Die Kolleginnen hatten erzählt: das ist für sie ein wichtiger spiritueller Ort.
Schon im ersten Moment hat sie mich überwältigt
Und dann kam ich hinein in die Kapelle und schon im ersten Moment hat mich die Kirche überwältigt. So eine klare Kirche: hell, geordnet, schlicht – einfach wunderschön. Ich habe dagestanden und nach vorne durch die graue Wand hindurch auf das Holzkreuz geschaut.
Dabei habe auf diesen Kirchraum ganz körperlich reagiert: mir sind die Tränen über das Gesicht gelaufen.
Ich bin völlig zur Ruhe gekommen
Das Besondere in dieser Kapelle ist: Zwischen Kirchraum und Kreuz steht eine Wand aus grauem Stein. Das Kreuz kann man nur durch einen breiten Riss sehen, der durch diese Wand läuft, von oben bis unten. Der Kirchraum ist sehr hell. Die Hauptfarbe sind verschiedene Grautöne. Alles hat so klar und durchdacht gewirkt. Ich bin völlig zur Ruhe gekommen und habe dabei erlebt, dass sich mein Leben einfach auf das Wesentliche ausrichtet: auf etwas, das viel größer ist als ich.
Die „Schwestern vom armen Kinde Jesu“
Die Schwestern, die diese Kirche gemeinsam mit Architekten renoviert haben, heißen „Schwestern vom armen Kinde Jesu“. Die Ordensgründerin war Klara Fey. Klara Fey hat im 19. Jahrhundert zusammen mit Freundinnen Armenschulen gegründet. Diesen Frauen ging es damals darum, armen Kindern und Jugendlichen, vor allem jungen Frauen, in schwierigen Zeiten, nämlich der Zeit der industriellen Revolution, eine schulische Ausbildung zu ermöglichen.
Und wie wichtig ist es auch heute noch
Klara Fey und ihre Freundinnen haben Bildungswege begleitet und gestaltet. Mir ist dort in der Kapelle klar geworden: Wie wichtig gerade heute wieder Schulen als Orte demokratischer Bildungsprozesse sind. Vor allem um Krisen, Krieg, Fake News und Hetze entgegenzutreten. Und wie wichtig es auch heute weiterhin ist, Mädchen und junge Frauen zu ermächtigen, traditionelle Rollenbilder zu überwinden, wie das schon damals die Schwestern getan haben.