Tikkun Olam: Im Kleinen die Welt verbessern
Eine Frau läuft mit Kopfhörern durch Frankfurt – und tanzt. Am Mainufer, einfach so. Einige Leute bleiben stehen und denken: Die ist doch verrückt. Manchmal tanzt aber auch jemand mit.
Wer ist Elishewa Patterson?
Die Frau heißt Elishewa Patterson. Sie ist Rechtsanwältin, Ehrenamtlerin, Aktivistin – und Jüdin. Sie begleitet Sterbende im Hospiz, geht in Schulen und Sportvereine, um dort als Jüdin „einfach Mensch zu sein“. Sichtbar. Ansprechbar. Für viele junge Menschen ist sie die erste Jüdin, die sie treffen.
Sichtbar jüdisch: Welche Risiken geht sie ein?
Sie macht sich angreifbar – denn wer mit Davidstern durch eine Frankfurter Fußgängerzone läuft, wird immer öfter auch beschimpft oder angegangen.
Tikkun Olam: Welt heilen im Kleinen
Was sie antreibt? Ein uraltes jüdisches Prinzip: Tikkun Olam – was übersetzt bedeutet: die Heilung der Welt. Keine Revolution, kein großer Wurf. Sondern kleine Akte der Freundlichkeit, Tag für Tag. Elishewa sagt: „Es sind nicht die großen Sachen, die die Welt verändern, sondern die vielen, vielen kleinen."
Biblische Spur: Was rät der Prophet Micha?
Das klingt bescheiden. Und ist zutiefst biblisch. Zu allen Zeiten haben sich Menschen gefragt, wie sie ihren Glauben leben können. Der Prophet Micha antwortet darauf: Nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben. (Micha 6,8) Kein Programm. Keine Ideologie. Nur: Liebe üben. Immer wieder. Im Kleinen.
Kraftquellen: Shabbat, Freundschaft, Tanz
So wie Elishewa Patterson das macht. Leicht ist das nicht immer. Auch sie verliert manchmal die Geduld. Kraft findet sie beim Shabbatfeiern, beim Zusammensein mit Freunden, beim Tanzen. Sie sagt: „Jede und jeder von uns kann einfach losgehen, sich gut verhalten und zugewandt sein." Das gilt für alle, egal, woran sie glauben.
Einfach losgehen – ein Programm für jeden Tag?
Einfach losgehen. Sich gut verhalten. Zugewandt sein. Das ist kein schlechtes Programm – für den Freitag, für jeden Tag.