Reifeprüfung fürs Leben: Was nach dem Abi wirklich zählt
Der Beginn der Abiturprüfungen liegt in der Luft. In ganz Hessen - von Bad Karlshafen bis Miltenberg, von Heringen bis Limburg - sitzen Schülerinnen und Schüler über ihren Aufgaben. Wochen, Monate, oft Jahre der Vorbereitung laufen nun auf diese Tage zu. Bis Anfang Mai werden sich die Prüfungen hinziehen.
Vom Schüler zum Lehrer: Beide Seiten der Prüfung
Meine eigene Reifeprüfung liegt inzwischen 30 Jahre zurück. Damals war ich selbst voller Anspannung und hoffte, dass mir im entscheidenden Moment das Richtige einfällt. Heute hat sich die Perspektive verändert. Ich stehe auf der anderen Seite und fiebere als Lehrer nicht weniger mit!
Habe ich alles Wichtige angesprochen? Sind die Fragen verständlich? Können die Prüflinge zeigen, was in ihnen steckt? Mit der Zeit kommt Routine, aber eine gewisse Spannung bleibt.
Was bedeutet Reife? Ganz sicher mehr als ein Schulabschluss
Die diesjährige Prüfungszeit weckt in mir auch eine ganz grundsätzliche Frage: Was bedeutet eigentlich „Reife“? Ist sie mit dem Abitur schon erreicht?
Wir kennen das vom Wein: Wenn die Trauben geerntet sind, ist er noch lange nicht fertig. Er braucht Zeit, um zu reifen. Vielleicht ist es mit unserem Leben ganz ähnlich. Prüfungen sind Etappen, keine Endpunkte. Reife geschieht weiter – in Erfahrungen, Entscheidungen und Begegnungen.
Orientierung nach dem Abitur: Zu wem blickst du auf?
Ich erinnere mich gerne an den Abitur-Abschlussgottesdienst aus dem vorletzten Jahr. Am Ende wurde ein „Nett hier“-Aufkleber“ verteilt. Darauf stand: „Nett hier! Aber zu wem blickst du auf?“ Diese Frage geht über den Moment hinaus. Sie berührt die Frage nach Orientierung - gerade dann, wenn sich neue Lebenswege auftun.
Psalm 121: Halt und Hilfe für Abiturienten und alle, die neu beginnen
Psalm 121 weiß darauf eine Antwort: „Ich erhebe meine Augen zu den Bergen: Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt vom HERRN, der Himmel und Erde erschaffen hat. Er lässt deinen Fuß nicht wanken.“
Für mich ist es dieser Blick nach oben, der trägt – das Vertrauen, dass ich meinen Weg nicht allein gehen muss. Ob im Gebet, im Gespräch mit Jesus und mit Menschen, denen wir vertrauen, oder in dem stillen Gefühl, dass da mehr ist als die nächste Prüfung: Orientierung kann uns auf ganz verschiedenen Wegen begegnen.
Niemand ist alleine auf dem neuen Lebensweg
Diese Zuversicht wünsche ich allen diesjährigen Prüflingen, ihren Eltern und uns allen: dass wir innehalten, aufschauen und Schritt für Schritt auf unserem Lebensweg weiterreifen.