hr1 ZUSPRUCH
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Kristen, Dr. Peter

Eine Sendung von

Evangelischer Pfarrer und Studienleiter, Religionspädagogisches Institut Darmstadt

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Eine Nahaufnahme des Mondes zeigt seine felsige Oberfläche mit zahlreichen Kratern. Im Hintergrund ist ein Teil der Erde zu sehen, der hinter dem Mond hervorschaut, umgeben von schwarzem Raum. Diese Darstellung verdeutlicht die Beziehung zwischen Erde und Mond.

Perspektivenwechsel

Moderatror/in: Noch nie waren Menschen so weit von der Erde entfernt, wie die Crew der Artemis 2. Auf ihrer Weltraumission haben die vier Astronauten den Mond umrundet. Heute Nacht sind sie in ihrer Kapsel vor San Diego im Pazifik gelandet. Auf ihrem Weg um den Mond hatten sie einen Blick auf die Erde, wie noch nie jemand zuvor. Gedanken dazu von Pfarrer Peter Kristen aus Limeshain.

Die Faszination des Mondes – seit Anbeginn der Menschheit

Den Mond betrachten – von der Erde aus, das hat die Menschen schon immer fasziniert. Diese Woche hatten vier Astronauten zum ersten Mal die umgekehrte Perspektive: In ihrer Raumkapsel haben sie den Mond umrundet und von dort aus die Erde betrachtet. 

Die Erde vom Mond aus: Ein Bild, das Staunen weckt

Eins ihrer Fotos zeigt den Mond – groß und massiv im Vordergrund. Dahinter geht die Erde unter - wie eine schmale Sichel. Strahlend hell die „Erdsichel“, tiefschwarz das Weltall dahinter. So haben das Menschen noch nie gesehen.

Die „Erdsichel“ erzählt von der Schöpfung

Ein anderes Foto zeigt die gesamte Erde - klein, umhüllt von Wolkenwirbeln. Am Nord- und Südpol: grüne Polarlichter. Lakiesha Hawkins von der NASA hat gesagt: „Es ist großartig, sich vorzustellen, dass wir alle auf diesem Bild vertreten sind… Bis auf unsere vier Freunde da oben natürlich.“ 

Einheit und Zerbrechlichkeit: Ein neuer Blick auf die Welt

Genau das ist das Besondere an dem Bild: Die vier hinter dem Mond sehen die Erde ganz neu - als Ganze, als Einheit. Klein und verletzlich sieht sie aus, aber auch warm erleuchtet.

Perspektivenwechsel – wie verändert er unsere Sicht auf das Leben?

Das ist die besondere Kraft von neuen Perspektiven: Sie verändern mein Bild von der Welt. Wenn ich meine Blickrichtung verändere, sehe ich dieselbe Welt anders. 

Vom Weltall ins Klassenzimmer: Lernen durch Einfühlung

Ich kenne das aus der Schule. Dort habe ich Schüler:innen darin unterrichtet, Konflikte zu lösen - nicht mit Macht und Gewalt, sondern in einer Mediation. Dabei haben die Streitenden gelernt, bewusst ihre übliche Sichtweise zu verlassen und die Welt aus einer anderen Perspektive zu betrachten - aus der ihres Gegenübers. Sie fühlen sich ein in die Welt, wie sie dem anderen erscheint. Das bringt sie auf den Weg zu einer fairen Lösung, ohne Gewalt. 

Mut zur neuen Sichtweise – auch ohne Raumschiff

Die Astronauten in der Raumkapsel waren von ihrem Perspektivenwechsel begeistert. Um dessen Kraft auf der Erde zu erleben, muss man aber keineswegs um den Mond geflogen sein.